Weinanbau am Fuße eines Vulkans ist sicher nichts Alltägliches. Und lange Zeit gab es ihn auch gar nicht mehr. Doch inzwischen erleben wir ein wahres Revival des Vulkan-Weins.

Am Nordhang des Vulkans Ätna auf Sizilien finden sich nur einige wenige Straßen, die sich majestätisch am Hang entlang ziehen. Den Vulkan selbst scheint dies nur wenig zu interessieren. Mit Schnee bedeckt stößt er kontinuierlich Rauch aus, ohne mit einem Ausbruch zu drohen. In den seltensten Fällen zieht es Touristen direkt an die Flanke des Vulkans, vieles wirkt zeitlos, die Entwicklung scheint an dieser Region vorbeigegangen zu sein. Unabhängig von der Behäbig- und Verschlafenheit der Gegend hat sich die Landschaft zu einem Mekka für Weinbauer aus Sizilien entwickelt.

Die namhaften Weingüter und Familien der sizilianischen Insel haben Land gekauft und Reben angepflanzt. Dabei machen sich die Bauern die außerordentlich gute Lage und die herausragenden Bedingungen vor Ort zu Nutze. Fallwinde bringen kontinuierlich kalte Luft zum Boden, der aufgrund des Vulkangestein sehr mineralreich ist. Aus diesen Gegebenheiten resultieren Weine, die in Italien und Europa durch ihre einzigartige Qualität bril­lie­ren.

Weinanbau – der Vulkan-Wein ist keine neue Erfindung

Bei den Vulkan-Weinen handelt es sich dabei um keine neue Erfindung. Vielmehr knüpft der aktuelle Hype an eine erfolgreiche Vergangenheit an. In späten Schriften des 16. Jahrhunderts finden sich Überlieferungen, die die Weine in den höchsten Tönen loben. Die Autoren führten bereits damals die herausragende Qualität auf den Vulkan und die Umgebung zurück. Auch heute gibt es zahlreiche Experten, die von dieser Kausalität überzeugt sind. Der besondere Vorteil des Bodens besteht darin, dass er eine enorme Wasserspeicherkapazität besitzt. Aus diesem Grund steht den Reben auch im Sommer immer genügend Wasser zur Verfügung.

Beim Ätna und der Umgebung handelt es sich um ein eigenes Biotop. Viele der Bauern kommen, weil die Herausforderungen gleichzeitig auch große Chancen darstellen. Dem zweiten Weltkrieg folgten in den Jahren 1950 und 1951 Eruptionen, die dazu führten, dass die Anwohner der Region den Rücken kehrten. Es vergingen rund 40 Jahre, in denen kein Weinanbau in der Region gepflegt wurde. Die technischen Entwicklungen, die in diesen Jahren vorangetrieben wurden, ließen sich nicht eins zu eins auf die Gegend übertragen. Das liegt an der Topografie. Die Eigenschaften der Region unterscheiden sich sehr deutlich von anderen auf der sizilianischen Insel.

Weinanbau auf Sizilien – anspruchsvolle Hingabe

Auch heute noch zeigen sich Spuren der Vergangenheit. Entlang der Orte können Weinberganlagen erkundet werden, die inzwischen von Gestrüpp überwuchert sind. Die Kelterhäuser, Palmentos genannt, sind von der Zeit gezeichnet und verfallen. Dies ist der Grund dafür, dass Gesetze untersagen, dass dort Wein produziert wird. Die Verordnung sieht Strafen für die Zuwiderhandlung vor, da hygienische Standards nicht eingehalten werden können. Polizeilichen Patrouillen bewachen diese, damit es nicht zu Verstößen kommt.

Interessanterweise zeigt sich, dass nicht alle Weinbauern von diesen Gesetzen beeindruckt sind. Immer mehr Kelterhäuser konnten in den zurückliegenden Jahren verkauft und wieder in Betrieb genommen werden. Die Illegalität scheint ihnen bewusst aber egal zu sein. Das Ergebnis ist der Etna Rosso, der Rotwein des Ätna. Dieser wird traditionell hergestellt. Das Ergebnis der Weinlese wird mit den Füßen zertreten, um im Anschluss mit einer Baumpresse weiter ausgepresst zu werden. Dem Geschmack ist die Illegalität egal, der Wein ist köstlich.

Der große Erfolg der dortigen Weine liegt vor allem in den Rebsorten begründet. Für den Rotwein werden die Sorten Nerello Cappuccio und Nerello Mascalese verwendet, für den Weißwein sind es Minella und Carricante. Bei diesen Sorten handelt es sich um sogenannte Wurzelechte, die nur hier zu finden sind und über 200 Jahre kultiviert wurden. Mit anderen Edelreben anderer Weinanbaugebiete können diese Sorten nicht verglichen werden. Jedoch werden sie durch die Kombination aus Boden und Pflege zu einer Delikatesse, die ebenso mit anderen hochwertigen Weinen mithalten kann.

Weinanbau am Ätna – fantastische Aromen

Die Rotweine zeichnen sich mit Aromen von Beeren, Pfeffer und einer Tabaknote aus. Im Weißwein lassen sich Aromen der Orangenblüte und Kamille wiederfinden. Der feine Ansinn und die Transparenz stehen der durchschlagenden Konzentration und Kraft anderer Weine gegenüber. Dies kann vor allem damit erklärt werden, dass neben der südlichen Lage vor allem die Höhenmeter, die Anbaugebiete liegen knapp 1300 Meter über dem Wasser, auf die Rebsorten einwirken.

Ein weiterer positiver Faktor der sich auf die Gewächse auswirkt sind die extremen Temperaturunterschiede. Kann das Thermometer am Tag 40 oder mehr Grad Celsius erreichen, sinkt die Temperatur in der Nacht auf bis zu acht Grad herab. Dadurch bleiben vor allem die Säuren in den Weinen erhalten.

Das diese Eigenschaften dem aktuellen Trend entsprechen ist ein Grund für den enormen Erfolg des Weins vom Ätna. Dieser steht im deutlichen Gegensatz zum Aufwand, der für die Herstellung betrieben werden muss. Normalerweise kalkuliert man mit 50 Arbeitsstunden für einen Weinstock. Bei den Bauern am Ätna beträgt der Aufwand um die 200 Stunden. Die Produzenten sagen, dass ein Wein auch schneller erzeugt werden könnte, allerdings würde es dann seine positiven Merkmale verlieren.

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