Denkt man an Vertical Farming denkt man gleichzeitig an die Höhe. Doch das muss nicht zwangsläufig so sein, denn manchmal geht es sehr weit hinab. In einen Bunker, um es genauer zu sagen. 

Im Westen von London befindet sich tief im Erdreich eine grüne Oase. Ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg ist dort zu etwas positiven umfunktioniert worden. Gemüse und Kräuter wo hin das Auge blickt. Die zwei Unternehmen, die in diesen Räumen ihre Pflanzen anbauen, sehen darin einen Schritt hin zur Agrarwirtschaft der Zukunft.

Vertical Farming und Microgreens

Es ist noch nicht allzu lange her, da waren die Tunnel menschenleer. Knapp 30 Meter tief im Erdreich hatte der Luftschutzbunker aus längst vergangenen Tagen ausgeharrt, unbeachtet von der umliegenden Umwelt.

Inzwischen ist diese Einöde einem Trubel gewichen. Microgreens wachsen überall in den Räumen. Dabei handelt es sich um Gemüse und Kräuter, welche sehr frühzeitig geerntet werden. Vor einigen Jahren waren diese vor allem Fernsehköche und Food-Blogger bekannt. Inzwischen nutzen auch immer mehr privat engagierte Köche diese für ihre Gerichte.

Steven Dring ist einer der Gründer der Firma Zero Carbon Food und überzeugt, das Microgreens immer mehr an Popularität gewinnen werden.

Vertical Farming gegen die Herausforderung der Zukunft

Die Städte wachsen immer weiter. Die Urbanisierung ist noch lange nicht abgeschlossen. Damit geht einher, dass auch der Appetit der Städter kontinuierlich größer wird. Da kann es durchaus hilfreich sein, wenn im Untergrund Koriander, Wasabi und Fenchel wachsen können.

Alles beginnt mit einer Teppichmatte. Auf diese streuen die Mitarbeiter die Samen der Pflanzen. Anschließend werden diese einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und hoher Wärme ausgesetzt, sodass diese in den nächsten Tagen bei vollkommener Dunkelheit zu wachsen beginnen. Die anschließende Ernte nach 5 Tagen sorgt dafür, dass der Geschmack besonders intensiv ausgeprägt ist.

Der Agrarbericht unterstützt das Vertical Farming

Dass die Notwendigkeit solcher Maßnahmen nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt unter anderem ein Report der Uno und der Weltbank. Diese sagen für das Jahr 2050 voraus, dass circa 80 % der Menschen in Ballungsräumen leben werden. Die jetzige Form der Landwirtschaft wird die Nachfrage in diesem Umfang nicht abdecken können.

Foto: Fabian Wegener/dpa

Es zeigt sich bereits, dass sich auch andere Staaten für diese Idee begeistern können. Die Vereinigten Staaten und Singapur haben es bereits erfolgreich kopiert. Und in Japan hat sich ein kleiner Boom entwickelt. Nach der Reaktorkatastrophe in 2011 setzen die Japaner vermehrt auf abgeschlossene Biosystemen, wodurch das Risiko radioaktiver Strahlung minimiert werden kann.

In Deutschland überwiegt aktuell noch die Skepsis gegenüber dem Konzept. Trendforscher gehen im Moment davon aus, dass sich bei uns wohl eher das Urban Gardening durchsetzen wird.