Vasyl Shvedyk ist Geschäftsführer von Bio Edelpilze Altmark und kreiert die meisten seiner Produkte noch selbst. Lesen Sie hier, um mehr über seine spannende Geschichte zu erfahren. 

 

Du hast Dich mit Herz und Seele dem Thema Pilze verschrieben. Woher kommt Deine Faszination für dieses Produkt?

Als Kind und Jugendlicher habe ich mit der Familie die Ferien häufig in der Natur verlebt. Mit Zelten, Schlafsack, Rute und Alu-Kochgeschirr waren wir mindestens 2 bis 3 Wochen so unterwegs, haben uns von allem, was die Bukowina bereit hält ernährt, und da waren auch immer viele Pilze dabei. Faszinierend dabei war für mich, dass sie in dieser Vielfalt von Formen, Farben und Aromen „so einfach da waren“. Das Pilzgeflecht siehst Du ja nicht mit bloßem Auge, und so waren diese „Wesen“ für mich ein Geschenk von Waldgeistern. Später, als wir in der Schule auch das Thema Pilze besprachen, war mir klar, die Natur ist genial! Pilze sind genial! Ich werde später Pilzzüchter! Natürlich kam es – erst einmal – anders. Aber als ich dann vor 10 Jahren mit Manuela diesen Bauernhof kaufte, war die Gelegenheit da, meinen unvergessenen Kindheitsgedanken aufzugreifen und meine Faszination für diese „Wesen“ auszuleben. Perfekt dabei ist, dass Manuela meine Pilzleidenschaft zu hundert Prozent teilt.

An welchem Punkt hast Du entschieden, dass Deine Produkte Bio sein sollen und inwiefern macht es sie besser?

Ich habe mit Gründung meiner Pilzzucht zu keiner Zeit an etwas anderes gedacht, als den Betrieb biozertifiziert zu führen. Alles andere war für UNS inakzeptabel. Deshalb haben wir den gesamten Hof zur Biozertifizierung angemeldet, auch den Garten mit seinen Wildkräutern, Obstbäumen und Naturstauden. Es wäre doch eine Schande, diesen Flecken nach 15 Jahren Naturkultivierung anders zu bewirtschaften. Die Altmark ist eine stark von der Landwirtschaft geprägte Region. Eine Region der konventionell betriebenen Landwirtschaft mit allen Auswüchsen, die es in diesem Wirtschaftszweig gibt. Das wollten wir auf keinen Fall mit tragen. Und wir wollten mehr ….. mehr für Umwelt-, Natur- und Tierschutz gerade eben hier ein Statement setzen, Nachahmer begeistern und die jüngeren Generationen auf eine ökologische Lebens- und Wirtschaftsweise aufmerksam machen, sie mitreißen. Eine Möglichkeit ist ja auch die Unterstützung der Arbeit des Biospärenreservates Mittelelbe als Partner seit 2016.

Unsere Bio Produkte sind frei von Schadstoffen, Schwermetallen, Pestiziden und Wachstumsverstärkern. Sie verursachen als und in Lebensmitteln keine Allergien, Unverträglichkeiten und Krankheiten. Daneben wird die Natur nicht mit Abfallstoffen belastet, Produktionsüberhänge gibt es nicht., weil wir ja selbst verarbeiten. Substrate, die ausgepauert sind, eignen sich wunderbar zur Aufwertung unseres Gartenbodens, manchmal verschenken wir sie auch auf Nachfrage. Das ist Kreislaufwirtschaft und das ist ressourcenschonend. Schon bei der Sanierung unseres Hofes haben wir uns mit alternativen Wärmesystemen beschäftigt und uns für eine Luft-Wärme-Pumpe entschieden. Und seit einigen Monaten nutze ich die feuchte Abluft eines Trockenschrankes für die Pilzzuchträume.

Das alles macht UNSERE Produkte besser.

 

Du lebst inmitten der Kulturlandschaft Altmark, inwieweit fließt der Charakter der Region mit in Deine Produkte?

Die Altmark als eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands besteht aus landwirtschaftlich geprägtem, aber auch naturnahem Tiefland mit Wäldern und Heide, Flusslandschaften und Niederungen. Aus diesem Umfeld beziehe ich 90 % der Bio-Rohstoffe, die ich selbst nicht anbauen oder halten kann, wie zum Beispiel Bio-Hanf vom Landhof Lindenberg und Bio Rindfleisch vom Biohof 7 aus Schernebeck. Daraus entstehen wunderbare regionale Kooperationen und ehrliche Freundschaften. Auch inzwischen seltener gewordene historische Kräuter und Gemüsesorten, sogenannte Erhaltersorten, bauen wir neben alt bewährten typisch regionalen und saisonalen immer wieder mal an, verarbeiten sie in unseren Produkten und teilen das Saatgut mit Interessierten, um die Artenvielfalt zu erhalten. Ich bin überzeugt, dass sich die Menschen einer Region in der Hauptsache durch die in der Region wachsenden bzw. typischen Lebensmitteln ernähren sollten, denn das sind die Stoffe, an die unsere Organismen seit Jahrtausenden angepasst sind.

 

 

Mit Pesto, Antipasti und weiteren spannenden Kreationen gibt es bei Dir weitaus mehr als „nur“ Frischpilze zu entdecken. Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Das Gebiet meiner Frau Manuela! Sie hat es geschafft, in Zeiten, in denen wir mehr Frischpilze hatten als Kunden, wunderbare Manufaktur Produkte aus diesen herzustellen. Unter der Prämisse Nachhaltigkeit versteht sich von selbst, dass nichts anderes logischer war. Dazu kommt der Aspekt, dass Pilze super gesund sind und unbedingt auf jeden wöchentlichen Speiseplan gehören. Dabei sind LEBENSmittel entstanden, die es in dieser Art und Qualität noch nicht gab und für die wir letztendlich dann auch 2017 auf Anhieb beim ersten Kulinarischen Stern des Landes Sachsen-Anhalt den Siegerpreis in der Kategorie Feinkost mit der Antipasti eingefahren haben und 2019 erneut in der Kategorie Snacks mit den Shiitake-Hanf-Broties. Darauf sind wir ganz schön stolz! Man kann noch so viel Schönes aus Pilzen machen, insbesondere für Menschen, die aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen ihre Ernährung umstellen müssen oder wollen. Mit Herz und Seele, mit Fleiß, Handarbeit und unendlichem Enthusiasmus ganz besondere Unikate zu schaffen, das ist ihre Inspiration.

 

Was sind Deine Ziele und was können wir in der Zukunft noch von Dir erwarten?

Ich arbeite weiter daran, meine vielen Pilzsorten in der Direktvermarktung an den Verbraucher zu bringen, ihm ein Stück Wertschätzung zurück zu geben und ihn zu ermutigen, Neues und Gesundes auszuprobieren. Dazu nutze ich die guten Kontakte bei Live-Events, die ich häufig mit meiner „legendären“ Edelpilzpfanne begleite. Hier kann der Verbraucher an Ort und Stelle sehen, riechen und natürlich auch schmecken, was mit wenig Aufwand und verhältnismäßig schnell an Genuss entsteht. Zukünftig werden wir auch mit weiteren spannenden Rezepten neue Wege gehen. Ich konzentriere mich seit Februar verstärkt auf die Produktion von Frischpilzen und Vitalpilzen, während Manuela den Bereich Verarbeitung und Handel eigenständig unter mannu₰feinekost u.a. mit den Eigenmarken pylz und pauerstoff übernommen hat. Unter pylz. werdet ihr auch zukünftig gesunde und nachhaltig produzierte Manufaktur Lebensmittel kennen lernen können, mit der Bitte zum Nachmachen inklusive Rezept. Sie werden fix und fertig und für die schnelle Küche nutzbar sein und überwiegend aus regionalen saisonalen Zutaten bestehen, sodass wir einer unserer Region angepassten Ernährung wieder sehr nahe kommen. Bei „pauerstoff“ dürft Ihr gespannt sein, hier kommen unsere Vitalpilze in Aktion.

 

Optional: Mit welchen Gastronomen arbeitest Du schon zusammen? Wie ist das Feedback und durch was heben sich Deine Produkte hervor?

Seit 2013 arbeite ich bereits mit verschiedenen gehobenen Gastronomien im gesamten Bundesgebiet zusammen. Regional sind es u.a. ArtHotel Kiebitzberg in Havelberg, Hotel „Aragon“ in Tangermünde, Hotel Schloss Storkau und Restaurant Atrium Stendal, die letzteren beide vom Gault&Millau sehr gute Bewertungen bekommen haben. Überregional u.a. in Berlin das außergewöhnliche Kunst- und Kultur-Restaurant „Zum Mond“ und seit Dezember 2019 ganz neu auch mit dabei aus dem Raum Bonn das Restaurant „Haus am Berg“. Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin gab es weitere schöne Kontakte mit Spitzengastronomien. Schaun wir mal, was dabei noch Spannendes entsteht.

Von allen wird die Bioqualität made in Deutschland, die absolute Frische, die einmalige Vielfalt der Produkte und die Bestellmöglichkeit kleiner Mengen geschätzt. AEin Zufall war es, dass ein Weinrestaurant mit den Shiitake-Hanf-Broties beliefert wurde. Aber sie probierten die Snacks aus und behileten sie begeistert. Überzeugt hat hier das unvergleichlich intensive Aroma dieses kleinen rohköstlichen Snacks. Ein weiterer Grund: Mit unseren Produkten heben sich gerade auch Gastronomien vom Massenangebot ab, denn sie sind nicht im stationären Einzel- und Großhandel erhältlich. Und das wird auch so bleiben 😉 Besonderen Wert legen wir auf persönliche Kontakte zu unseren Gastronomen, was uns bisher immer gelungen ist. Dabei ist es uninteressant, an welchem Ende die Gastronomie in Deutschland liegt. Jede Region ist eine Genuss-Reise wert.

 

Danke Vasyl für diesen tollen Einblick.