Tina Fasshauer bezeichnet sich selbst Privatköchin auf Retreats und Workations. Wir wollten unbedingt mehr darüber erfahren. Sie auch? Dann lesen Sie hier.

 

Auf der Eingangsseite Deiner Webseite findet man „Privatköchin auf Retreats und Workations“. Was bedeutet dies?

„Privatköchin auf Retreats und Workations“ war die ganz einfache Zusammenfassung, nachdem ich mir mehrere Nächte mit vielen Flipcharts um die Ohren gehauen habe um zu konsolidieren, was ich eigentlich mache.

Denn mein derzeitiges Leben besteht daraus, Workations und Retreats zu begleiten in Form kulinarischer Köstlichkeiten.

Hierbei reisen wir (meist eine Woche) in eine Anlage, an einem schönen Ort der Welt und arbeiten fokussiert an beruflichen oder auch privaten Inhalten. Mein Part ist dabei, die Tage sinnvoll mit gutem Essen zu gestalten.

Auf Retreats begleite ich mit basischer Ernährung, das heißt, wir lassen Lebensmittel wie Kaffee, Weizen, Milch, Eier und Alkohol  weg. Ebenfalls liegt mein Schwerpunkt auf der veganen und vegetarischen Ernährung. Die Retreats haben oft den Fokus der Meditation, innerer Einkehr und Ruhe. Daher ist hier mein Weg für die Teilnehmer  den Darm so wenig wie möglich zu belasten um die Konzentration auf die wesentliche Punkte zu bringen.

Bei Workations ist das anders. Hier sind die Teilnehmer oft herausgefordert an und mit dem Business zu wachsen. Dies bedeutet, dass man viel Energie reinstecken muss. Oft ist es auch mit sportlichen Einheiten der Wanderungen verbunden. Je nach Plan werden dann die Gerichte ausgewählt. Alle Wochen sind mit guter Vor- und Nachbereitung ausgestattet. Gern erfahre ich vorher über die Teilnehmer was sie mögen, was sie nicht vertragen oder vielleicht auch welche Ziele sie verfolgen. Nur so kann ein optimales Erlebnis erfolgen und es auch nachhaltig für alle Beteiligten sein. Und all das verbinde ich mit all der Kreativität, der Hingabe und den liebevollen Details, die mir einfallen.

 

Für Menschen die sich für Ernährung, Gesundheit und eine eigene Auszeit interessieren, bietest Du Deine Unterstützung an. In welcher Form und wie sind Deine Erfahrungen damit?

Jeder Mensch ist individuell, daher biete ich auch individuelle Unterstützung an.

Meine Unterstützung, die ich zielgerichtet verfolge, sind die Wochen die ich und wir erarbeiten damit andere Menschen sich erholen, auftanken oder neu fokussieren können. Aber ich bin immer offen für neue Projekte, Ideen und Visionen. Gern erarbeite ich auch Ernährungspläne für ganze Wochen, unterstütze während der Fastenzeit on- und offline oder gebe meine „grobe“ Einschätzung zu dem Stand der Ernährung.

Doch wer bei mir DEN PLAN, den Geheimtipp haben will, der ist bei mir nicht richtig.

Ich bin der Meinung, dass man jedem Menschen im Ganzen betrachten soll, kann und muss. Daher ist auch der Plan, die eventuelle Ernährungsumstellung, eine Veränderung im Leben. Und wie ich Vielen  sage:  das kann Arbeit bedeuten (hierbei kommt es darauf an, wie der Jeweilige  das Wort „Arbeit“ interpretiert). Für mich war es damals und ist es heute noch das Beste, was ich tun kann, jeden Tag zu reflektieren und an dem eigenen Körper zu arbeiten.

 

Meine Erfahrungen sind bis jetzt, ich nenne es gern: real und positiv.

Ich spreche mit Menschen, die wirklich was in sich verändern wollen, die entweder mit mir und uns eine Woche reisen, sich individuell mit mir treffen oder sogar mit uns in das Wunder des Heilfastens gehen. Und ich liebe es, wenn ich das Strahlen in den Augen der Menschen sehe, die Veränderung und das eigene andere Körpergefühl. Ich liebe es, wenn Menschen sagen: „So habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt“ oder „ich sehe klarer, definierter und zielgerichteter“.

Mein eigenes Ziel der damaligen Umstellung: ich wollte mich wieder leicht fühlen, wie ein Kind, was damals in den Schulferien um 06:00 aufgestanden ist und den ganzen Tag unterwegs war, durch Felder und Wälder gestreift und am Abend ganz selig  eingeschlafen. Natürlich ist mir bewusst, dass ich die Zeit nicht zurückdrehen kann, aber ich bin sicher, dass man mit der für sich richtigen Ernährung sich wieder wie ein kleiner Superheld fühlen kann.

 

Dein Motto “Mit Liebe und Hingabe die Welt schöner, gesünder und bunter machen”. Das hört sich gut und „edel“ an. Wie bringst Du diesen Ansatz immer wieder in Deine tägliche Arbeit ein?

Erst einmal vielen Dank, dass du das Wort „edel“ verwendest. Das freut und ehrt meine Gedanken sehr. Da meine tägliche Arbeit sehr unterschiedlich ist, bringe ich sie in unterschiedlichster Weise mit ein. An Tagen, an denen ich nicht reise und daheim bin, bringe ich es in meine eigene Wohnung ein. Ich treffe mich mit Menschen, die eine ähnliche oder ganz andere Weltansicht haben. Ich versuche so viel wie möglich zu lesen, zu kochen und zu testen. Mich weiterzubilden und mich immer zu reflektieren. Hier steckt die Liebe und Hingabe eher in der, nennen wir es vielleicht, egozentrischen Wahrnehmung. Ich arbeite an den Tagen an mir, damit ich auf der nächsten Reise mit noch mehr Erfahrungen und Blickwinkeln die kulinarische Welt für andere eröffnen kann.

An Tagen, an denen ich vor- und nachbereite steckt die Liebe und das Detail in der Organisation und der Umsetzung. Das fängt an bei dem Designen der Flyer, der Handouts, der Pläne und der Zusammenfassungen. Man isst nicht nur mit den Augen, sondern liest auch damit. Ich bin mir absolut sicher, dass ein durchdachter, mit dem eigen Logo und weiterführenden Ideen gestalteter Plan der erste Schritt ist, um in die Ernährungsumstellung, in die Retreat- und Workationwochen zu gehen oder auch um nur das erste Gespräch mit einem neuen Menschen zu reflektieren. Hier steckt die Liebe in der Kreativität der Umsetzung.

Und auf meinen Wochen? Wenn ich wirklich hinter dem Herd stehe und vor dem alten Holzbrett mit meinem Lieblingsmesser?

Dann sehe ich jedes Lebensmittel mit dem nötigen Respekt, mit der besten Kreativität und Liebe an, die es verdient hat. Ich bemühe mich regional zu kaufen, zu schauen, was die Umgebung und die umliegenden Läden zu bieten haben.

Ich schaue, in welcher Jahreszeit wir uns befinden, um immer eine möglichst angenehme und liebevolle Umgebung zu schaffen. Das fängt an bei Blumen in der Küche, ein gutes Mise-en-place, inspirierende Gespräche und ein strukturierter Zeitplan, der aber auch Platz lässt für spontane Eingebungen. Denn der Hang zur Organisation kommt nicht ohne Grund. Wenn ich einfach nur einkaufe, da stürze ich mich gerne rein und vergesse mich manchmal. Dann sehe ich das Lila der Aubergine, das Rot der Ochsenherztomate und das seidige Grün des Fenchels. Und dann wird viel gekauft und am Ende nicht nachhaltig gekocht.

Denn auch das ist Liebe und Hingabe zu der Nahrung: mit Sinn und Verstand einkaufen, kochen und zubereiten, um so nachhaltig, balanciert und umweltschonend wie möglich zu arbeiten.

 

Aber in jeder Phase bedeutet für mich mit Liebe und Hingabe arbeiten: Dass ich versuche immer im Moment zu sein, zu fühlen und das maximal Mögliche rauszuholen. Und wenn es mal nicht klappt, etwas anbrennt oder mir (mal wieder) was runterfällt? Dann auch damit ganz bewusst umzugehen. 🙂

PS: Ich war früher sehr viel in der Gastronomie und im Service. Und was soll ich sagen, Feinmotorik war nie mein Ding und irgendwann wurde ich freiwillig vom Polieren der Gläser entfernt, da ich immer die Bruchlisten angeführt habe. Also bei mir wird es auch manchmal kurzzeitig liebevoll chaotisch.

 

Einer Deiner Gäste sagte einmal über Dich „Tina spricht mit ihren Kochkünsten alle Sinne an“. Was ist Dein Geheimnis dahinter? Gute Gewürze…😊?

Ja, das war ein wunderschönes Testimonial, für das ich sehr dankbar bin. Ich muss sagen, dass es mir dort auch sehr leicht fiel, viele Sinne anzusprechen. Wenn Sie jetzt nicht den Text lesen müssten, so würde ich Ihnen gerne sagen:

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich jetzt eine alte Finka in den Bergen Spaniens vor. Mit Heuballen und dem Blick auf einem Weinberg gerichtet steht Sie da, eine Riesenküche mit einem unglaublichen Herd und einer noch schöneren Arbeitsfläche aus Holz. Die Fenster und der direkte Zugang zu Terrasse ermöglichte es, dass genügend Licht  in die Küche fällt.

Mit ein paar Blumen, immer viel Obst und Gemüse wurde die Küche zu einem Treffpunkt für alle. Und neben vielen Gewürzen und Kräutern mache ich eins noch sehr gerne: ich koche nur in einem schönen Kleid.

Meine Oma meinte mal zu mir: Tina, man muss immer so aussehen wie das Essen schmecken soll. Ja, da darf der rote Lippenstift und das passende Kleid nun einmal nicht fehlen. Und somit stand ich jedes Mal da während aus dem Ofen das frische Brot duftete, überall kleine Tomaten und Gurken herumlagen und der Grießbrei auf dem Herd langsam seine richtige Konsistenz annahm.

Für mich ist die Umgebung ebenso ausschlaggebend wie das, was auf dem Tisch steht und serviert wird. Wenn ich eine Tafel decke, dann gilt die Aufmerksamkeit 30 % der Dekoration auf dem Tisch, 50 % dem Essen und dem gut korrespondierenden Getränken und 20 % der Umgebung. Keine rumliegenden Sachen, frische Pflanzen, Decken, welche ordentlich auf den Bänken warten oder auch schöne Karaffen auf dem Seitentisch, damit niemand unnötig aufstehen muss, um neues Wasser zu holen. Damit der Sinn beim Essen sich voll entfalten kann, müssen auch alle anderen Sinne darauf ausgerichtet sein. Die Ohren dürfen das Schneiden des Brotes hören, die Nase den Duft der lauwarmen Suppe und dem frischen Salat, die Hände dürfen die Servietten fühlen und die Augen die Balance und das Gleichgewicht auf dem Tisch. Wenn alle Sinne auf nur eine Sache gerichtet sind und diese Sache ist so was Wunderbares  wie Essen- dann kann es eigentlich nur gut werden.

Wie kann jeder Mensch für sich ein maximales Geschmackserlebnis verspüren? 

Ich erinnere mich heute noch, wie ich nach nur fünf Tagen Verzicht und Fasten nach Buchinger (Heilfasten) in einem Apfel gebissen habe. Dies geschah nicht ohne Grund. Mein Leben zuvor war sehr chaotisch:Trennung, Jobwechsel, Umzug, zerbrochenes Selbstbewusstsein etc. Mit dem Thema Verzicht sich zu beschäftigen war für mich ein absoluter Gewinn in meinem Leben. Denn damit fing ich an, nicht nur zu kochen, sondern mich noch mehr mit den Themen der einzelnen Komponenten auseinanderzusetzen. Zu lesen, zu testen, zu kosten und noch mehr zu kochen.

Es brachte mich dazu auch in das Selbstbewusstsein zu gehen, es anderen Menschen anzubieten und die Reaktionen im nächsten Essen zu verarbeiten.Das waren für mich Momente mit einem absoluten Geschmackserlebnis. Das Testen nach dem Verzicht eines oder vieler Lebensmittel.

Und für den alltäglichen Gebrauch baue ich mir dies auch mit ein. Man bekommt heutzutage alles überall her. Das Brötchen vom Bäcker um die Ecke, den Schokoriegel an der Kasse, den Fenchel im Biosupermarkt oder die Nudeln beim Italiener nebenan. Um in den Genuss zu kommen, verzichte ich eine Weile auf ein Produkt, ich umgehe es um bewusst in den Moment zu gehen, es wieder zu schmecken.

Ich glaube unsere heutige Gesellschaft ist übersättigt. Die Auswahl führt dazu, dass wir einzelne Inhalte nicht mehr wahrnehmen. Und dabei ist es so wunderbar, wenn wir nach einer Weile wieder einmal mit voller Begeisterung eine selbstgemachte Pasta schmecken.

Das beste Beispiel sind doch die Weihnachtskekse oder der Spargel. Beides gibt es nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Und wir genießen es, wenn wir die frisch gemachte Soße Hollandaise über die weißen Stangen gießen oder wir bewusst alle Fenster im Haus schließen, damit der Duft von Zimt, Vanille und Karamell nicht entweicht. Diesen Genuss sich mit Kleinigkeiten in den Alltag wieder zurückzuholen ist für immer wie ein wenig Urlaub, eine Auszeit und gibt mir Kraft um anderen maximale Geschmackserlebnisse zu servieren.

 

Liebe Tina, vielen Dank das Du uns an Deinen Gedanken hast teilhaben lassen. Fantastisch! Wir freuen uns schon darauf bald wieder von Dir zu hören.