Tim Zieglers Anfänge liegen in Bayern bei Novotel, Sofitel und dem Hilton München. Doch damit noch lange nicht genug! Sein Weg hat ihn bis nach China geführt. Klingt wie eine märchenhafte Karriere. Lesen Sie hier mehr, um alle Details zu erfahren.

 

Du bist aus Bayern mit vielen interessanten Stationen als Koch, wie bspw. Novotel, Sofitel oder dem Hilton München, der heute als Specialty Chef de Cuisine bei Conrad in Xiamen China arbeitet. Was hat Dich bewegt in die Ferne nach China zu gehen?

Schon in den Anfängen meiner Kochkarriere entwickelte sich starke Interessen für fremde Küchen und Esskulturen. Somit war recht früh klar eines Tages ins Ausland zu gehen.
Gerade China ist ein super Interessantes Land. Aufgrund der Größe gibt es so viele unterschiedliche Küchen, die es zum Entdecken gibt. In jeder Region gibt es andere Spezialitäten, Gewürze oder Lebensmittel sowie Zubereitungsarten. Eine Quelle der Inspiration.

 

Wie waren Deine ersten kulinarischen Eindrücke?

Beeindruckend und Augen öffnend! Mein direkter erster Kontakt mit echten chinesischen Essen war an meinem ersten Tag beim Lunch mit ein paar Kollegen des Hotelmanagements in unserem traditionell Kantonesischen Restaurant. Aromatisch, leicht scharf und würzig mit der Liebe zum Detail. Also keine Ente süß-sauer 😊. Die in Deutschland angebotene „chinesische“ Küche wird man hier nicht finden.

 

Wie gefällt es Dir in China als Koch zu arbeiten?

Mir gefällt es sehr gut. In China ist der Stellenwert für essen sehr hoch. Die Menschen geben gerne viel Geld für qualitative hochwertige Lebensmittel aus. Auch beim Essen gehen wird mehr investiert, wenn das Essen gut ist.

 

Xiamen ist eine Hafenstadt an der Südostküste Chinas, die durch eine Meerenge von Taiwan getrennt ist. Für welche Küche ist Xiamen bekannt?

Die lokale Küche Xiamens ist die Fujian Küche. Eine sehr bodenständige einfache Küche. Nicht scharf, aber aromatisch. Es wird viel in Tongefäßen gegart und das für mehrere Stunden. Vor ein paar Tagen probierte ich bei einem Mittagessen eine Ente welche vier Stunden in einer reichhaltigen Sauce gegart wurde. Das Fleisch war so zart und saftig das es schon beim Anschauen vom Knochen fiel. Der Hammer! Weiter lokale Spezialitäten sind Seewürmer in Gelee und Austern Omlette. Des Weiteren ist Xiamen für sein Seafood bekannt. Der Fischmarkt oder auch als „Night Market“ bekannt ist atemberaubend. So viel Vielfalt und frische. Auf den Straßen findet man überall Wasserbecken mit lebenden Fischen und Meeresfrüchte. Chinesen ist absolute frische sehr wichtig.

 

Du arbeitest als Specialty Chef de Cuisine bei Conrad in Xiamen. Was sind Deine Aufgaben?

Unter meinem Aufgabenbereich fallen das Fine Dining Restaurant Coast, die Coast Bar und der Executive Floor, welcher den Gästen mit einem Executive Zimmer Zutritt gewährt. All diese Outlets befinden sich im 54. Stockwerks des Hotels.

 

Viele Köche, die das erste Mal ins Ausland gehen haben oft Sorge vor den Sprachbarrieren. Wie ist es Dir in dieser Hinsicht ergangen/ wie gehst Du damit um?

Oh ja, die Sprachbarrieren sind ein ganz schwieriges Thema. In meiner Brigade sprechen nur drei Köche etwas englisch. Hier muss man sehr kreativ werden. Es läuft viel über Übersetzung Apps, Bildern und Zeigen bzw. Vorführen ab. Mittlerweile mache ich Schritt für Schritt Video Anleitungen für die etwas komplizierteren Rezepte. Diese kommen super bei meinem Team an und es funktioniert. Das kostet mich mehr Zeit, aber diese investiere ich gerne dafür um meine Köche zu schulen. Wie sagte mein ehemaliger Küchenchef: „Wenn es einfach wäre, könnte es jeder.“

 

Ist Dein Team international oder mehrheitlich chinesisch?

Nicht nur mein Team, sondern alle Hotelmitarbeiter sind Chinesen. Nach meinem Hotelmanager, welcher aus Indonesien stammt, bin ich der einzige Ausländer.

 

Chinesen lieben die bayrische Küche. Gibt es in Xiamen gute deutsche Restaurants (abgesehen von den großen Brauerei Ketten)?

Neben einem deutschen bzw. bayrischem Lokal gibt es noch eine „Würstel Bude“. Aber interessanter ist eine sehr kleine lokale Brauerei, die von einem deutschen betrieben wird. Sein Bier gewann zum vierten Mal in Folge die Gold Medaille für das beste Bier Chinas und in seinem Laden gibt es echte Nürnberger Würstchen und Schweinshaxen. Falls das Heimweh bei mir stärker wird mache ich dort immer einen kurzen Abstecher.

 

Welche Trends/ neuen Entwicklungen in der Gastronomie siehst Du in China, die wir aus der Ferne nicht sehen?

Das ist nicht so leicht zu sagen. Der Westliche Kochstil steht hoch im Kurs, auch die Nachfrage nach Importierten Fleisch ist sehr groß. Aber was ich beobachtet habe ist, dass sich das Interesse nach „clean Food“ bzw. Vegetarischer Küche langsam entwickelt. Dieser Trend könnte sich in den nächsten Zehn Jahren stark weiterentwickeln.

 

Regional, saisonal… die großen Themen in Europa. Spielt dies auch eine Rolle in China?

Die Nachfrage hierfür ist nicht sehr groß. Dieses Thema ist mir aber sehr wichtig. Ich versuche so viel wie möglich aus der Region zu beziehen. Leider muss ich auch viele Produkte importieren lassen, da die Qualität der lokalen Produkte einfach nicht sehr gut ist, zum Beispiel Rindfleisch. Ich hoffe da gibt es in den nächsten Jahren noch Entwicklung. Andere Produkte, wie zum Beispiel Butter gibt es einfach gar nicht. Diese beziehe ich aus Neuseeland und Frankreich, da kostet mich das Kilo Butter mehr als ein Rinderfilet der Region.

 

Hand aufs Herz, welches Essen vermisst Du bereits (eine gute bayrische Wurst…)? 🙂

Wie gesagt, gute Würstchen und Bier habe ich hier schon gefunden. Aber was ich vermisse ist der Geschmack und Geruch einer frisch aufgeschnittenen Semmel mit einer saftigen Scheibe Leberkäse.

 

 

Wie würdest Du Deinen eigenen Koch Stil und die Philosophie dahinter beschreiben? Hast Du ein Motto?

Ich würde die Schlagwörter Jung, Innovativ, Produkt fokussiert und Fusion benutzen. Eine Mischung aus westlicher Kochmethoden, der Respekt und Produktverliebtheit für Lebensmittel der Nordischen Küche und die Vielfalt der Aromen asiatischer Küche.

 

Welche einzigartige Kochtechnik hast Du etabliert? Gibt es Auszeichnungen?

Ich benutze eine Vielfalt von verschieden Kochmethoden. Es kommt immer auf das Gericht drauf an. Zum Beispiel mit hoher Hitze (Holzkohle) aber auch Niedriger Temperatur (Sous Vide).
Ich gare aber auch gerne mit Säure oder Dampf. Es kommt immer auf die Produkte an für welchen Weg ich mich entscheide. Für mögliche Auszeichnungen ist es noch zu früh. Dafür bin ich noch zu frisch im Land.

 

Welches einfache Rezept kannst Du uns skizzieren (Zutaten, Zubereitung), dass Deine Arbeit repräsentiert und unsere User ausprobieren sollten?

Ein von meiner Entdeckung chinesischer Straßenküche inspiriertes Rezept, welches Ich als Marinade für Thunfisch benutze. Ich schwitze rote Zwiebeln mit Ingwer, Chili, Knoblauch, Korianderwurzel und Zitronengrass in einem hochwertigen Sesamöl an. Ich lösche mit chinesischem Reiswein ab und fülle mit einem recht neutralen Gemüsefond auf. Dann füge ich getrocknete und frische Shiitake Pilze sowie Sellerie und Gewürze hinzu. Die Gewürze bestehen aus gerösteten Koriander Saat, chinesischer Kardamom, Lorbeer, Pfeffer und Limettenblätter.
Das Ganze lasse ich für mehrere Stunden kurz unter dem Siedepunkt einköcheln.

Vor dem Passieren füge ich „alte Sojasauce“, Worcestersauce, Austernsauce, Fischsauce, Limetten Saft und losen Jasmin Tee (aber kein Teebeutel😊) hinzu.
Danach mixe ich den Dickflüssigen Fond mit einem aus gegrillten und geräucherten Tomaten hergestellten Ketchup und ziehe die Marinade mit Stärke leicht ab.
Das Thunfisch Filet wird kurz über Holzkohle gegrillt und mit der Marinade bestrichen. Serviert mit einem rohen Fenchelsalat mit frischer Zitrusnote, Granulat aus gepufftem Reis und Lachshaut und getrockneten Tomaten.

 

Welche Deiner letzten Kreationen möchtest Du mit uns teilen?

Das wäre meine Signatur Suppe welche die Beschreibung Ente, Pilze, Grapefruit trägt. Die Basis der Suppe ist ein Fond aus ganzen Enten und sechs verschiedenen Pilzen, welche mit Sahne und Butter abgerundet wird. Das Fleisch der Enten nutze ich für die Füllung der Suppeneinlage. Ein Ravioli der über einem Fond aus Zitrusfrüchte Schalen gedämpft wird. Gefüllt mit Entenfleisch Abalonen Pilz, Chili, Knoblauch und abgeschmeckt mit Schwarzen Balsamico. Serviert wird die Suppe mit kleinen Grapefruit Stückchen und getrockneten Pilzen. Die Grapefruit sorgt für Überraschung und Abwechslung bei dem Essen.

 

Welche aktuellen Trends siehst Du in der kulinarischen Welt? Inwieweit lässt Du Dich von Trends beeinflussen/inspirieren?

Nach dem Trend der „New Nordic Cuisine“ kommt ja immer mehr die Südamerikanische Küche zum Vorschein. Länder wie Peru, Chile etc. stehen da hoch im Trend.
Ich befasse mich mit Begeisterung für neuen Trends, um mein Wissen zu erweitern. Aber in meiner Küche versuche ich meinen eigenen über die Jahre entwickelten Stiel zu präsentieren.

 

Was würdest Du als Koch tun, wenn Geld ein Jahr lang kein Thema wäre?

Ganz klar eine Kulinarische Reise durch die Länder des Asien Pazifik. Das wäre eine wunderbare und lehrreiche Erfahrung.

 

Wenn Du ein Kochbuch schreiben würdest, worum ginge es?

Den Traum hege ich schon lange, ich hätte mehrere Ideen. Zum einen, über Esskulturen und lokalen Küchen. Zum anderen ein Buch über meinen eigenen Küchenstil und die Geschichte dahinter.

 

Wie hast Du als Koch angefangen, an welcher Kochschule? Warum hast Du Dich für eine professionelle Küche entschieden?

Ich hatte einen sehr guten Lehrbetrieb mit einem Küchendirektor des großen Augenmerks auf Weitergabe von Wissen und Selbstentwicklung seiner Auszubildenden lag. Eine für mich sehr prägenden Person der ich vieles zu verdanken habe. Die Erkenntnis dafür kam erst mit der weiteren Entwicklung meiner Karriere. Ein guter Lehrbetrieb ist ein wichtiger Grundstein für den Beruf des Koches.

 

Was wirst Du an Deinem ersten Jahr als Koch nie vergessen?

Meinen „Klick“ Moment. Dieser Moment sollte bei jedem Koch oder Auszubildenden irgendwann kommen. Der Moment wo du dich selbst hinterfragst, es dann „Klick“ macht und du begreifst was diesen Beruf ausmacht. Meiner Meinung nach ist es der schönste Beruf der Welt. Man fängt dann an Liebe, eine Verschmelzung und eine Leidenschaft zu Entwickeln. Wie sagt man so schön, Leidenschaft – durch Leiden schaffen 😊 einen Funken Wahrheit ist da schon dran.

 

Viele Karrieren beginnen mit harten Momenten, in denen man darüber nachdenkt, aufzugeben. Gab es solche Momente in Deiner Karriere und wie hast Du sie überwunden? Was würdest Du heute anders machen?

Meine Lehrzeit war sehr gut aber auch eine der härtesten Zeiten in meiner Karriere. Momente des hinschmeißen gab es oft. Auch nach meiner Ausbildung, auch in den Letzen Jahren und diese Momente werden auch noch folgen. Überwunden habe ich und werde sie mit meiner Passion für den Beruf des Koches. Ich gehe mit Freude zur Arbeit und bin immer bereit meine Freizeit für meine Entwicklung und die meiner Köche zu investieren.

 

Welche Situationen haben Dir in Deiner Entwicklung als Koch am meisten geholfen?

Die Situation nach Wunsch der Veränderung. Damit meine ich, wenn du mit dem Gedanken spielst die nächste Station zu suchen. In diesem Zeitraum lernt man viel über sich selbst und denkt über seine Ziele nach. Ich suche mir meine Arbeitsplätze mit den Fragen aus: „Was möchte ich?“ „Was ist mein aktuelles Ziel?“ „Was erhoffe ich mir?“ Wenn man darüber nachdenkt und ich meine wirklich Intensiv, findet man viel über seine Stärken und Schwächen heraus.

 

Was ist der beste und schwierigste Aspekt daran, Profi-Koch zu sein? Wie verändert der Job einen Menschen?

Fremde Menschen mit Essen glücklich zu machen. Der Beruf verändert einen sehr. Sei es den Charakter, Freundeskreis, Arbeitsbereitschaft oder die Sicht auf manch Dinge.

 

 

Als Koch lernt man nie aus: Fluch oder Segen? Was missverstehen Menschen oft an der Arbeit als Koch?

Definitiv ein Segen. Gerade dass, ist doch ein schöner Aspekt in diesem Beruf, so vielseitig und interessant, dass man sogar noch am Ende seiner Karriere dazu lernt. Vielleicht missverstehen manche Menschen das, weil sie der Meinung sind nach dem Beenden einer Ausbildung sollte man voll ausgebildet sein, aber dann fängt die wahre Ausbildung erst an.

 

Was bedeutet Deine Arbeit für Dich und was kannst Du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die mit dem Gedanken spielen, Koch zu werden?

Neben Familie und Freunde hat mein Beruf den größten Stellenwert für mich. Für mich ist es eben nicht nur ein Job, sondern eine Berufung. Jungen Menschen würde ich folgende Fragen mit auf den Weg geben welche sie sich selbst stellen können: Bin ich lernwillig bzw. möchte ich lernen? Bin ich ein Teamplayer? Bin ich dazu bereit an meine Grenzen zu stoßen und sogar noch weiter zu gehen (Sowohl körperlich als auch psychisch)? Bin ich Opferbereit und möchte ich viel arbeiten für wenig Geld (zumindest am Anfang)? Ertrage ich Kritik und kann ich mich selbst kritisieren?

 

Was macht die Chinesische-Küche aus? Welche Zutaten, Rezepte und Kochtechniken spiegeln ihre Seele am besten wider?

Persönlich gesagt, ich finde Chinesen machen chinesische Küche aus! Es ist schon über tausende Jahre her, dass die Chinesen angefangen haben, um ihr Leben zu kämpfen. Damit meine ich Essen zuzubereiten, um zu leben und egal, ob Sie reich oder arm sind, ein Wok und ein Spatel steht in jedem Haushalt und sie können chinesisches Essen kochen. Heutzutage bildet sich die moderne chinesische Küche. Basierend auf Kultur und Tradition suchen die Leute nach neuen Konzepten und Ideen. Ich würde sagen der Wok spielt bei den angewendeten Kochtechniken die Hauptrolle. Der Wok ist so vielseitig. Es wird gebraten, gekocht, frittiert, flambiert, gedämpft und noch vieles mehr. Es ist schwer zu sagen welche Rezepte und Zutaten die kulinarische Seele wiederspiegelt, denn in jeder Region Chinas wird anders gekocht. Jeder Part des Landes hat seine eigene Spezialität angefangen von der Pekingente aus Peking bis hin zum geschmortem Schweinebauch aus Shanghai. Generell kann man aber folgende Zutaten in jeder regionalen Küche wiederfinden. Ingwer, Schalotten, Chili, Frühlingszwiebeln. Eines der Wichtigsten Zutaten in der chinesischen Küche sind die Sojabohnen und aus deren gewonnenen Produkte, wie zum Beispiel Sojasauce oder Tofu.

 

Wie wurden Köche in der Chinesische-Gesellschaft früher gesehen und wie unterscheidet sich das von der aktuellen Situation?

Generell, ist in China Essen gehen ein „daily routine“. Die Jugend kocht nicht daheim, sie kann es teilweise gar nicht. Darum gibt es so eine Vielfalt an Küchen von „simpel“ bis „high end“. Denn niemand will auf die Kueche und den Geschmack aus den Kindertagen verzichten. Jetzt unterscheiden sich die Köche am meisten von der Vergangenheit, welche aus den letzten 20 Jahren stammen. Es entwickelt sich langsam ein eigenes Verständnis für den kulinarischen Trend. Anmerken muss ich aber auch, dass es nicht wirklich eine richtige Kochausbildung in China gibt. Es ist mehr „learning by doing“ was aber leider zu dem Nachteil führt das sich neue Techniken nur langsam entwickeln. In der Gesellschaft entwickelt sich langsam auch ein Trend in den Köchen zu Stars werden.

 

Was sind die konstanten und wechselnden Elemente der Chinesische-Küche?

Kurze dafür sehr hohe Temperaturen sind das Hauptelement der traditionellen chinesischen Küche, aber immer mehr heimische Köche entwickeln ein Interesse für neue Kochmethoden. Somit kann man auch hier einen Wechsel erkennen. Ein weiteres wichtiges Element sind frische Lebensmittel denn Chinesen legen sehr viel Wert auf Frische.

 

Nicht nur andere Kulturen auch alternative/neue Zutaten beeinflussen die Küche eines Landes. Welche Ingredienzien beeinflussen die Chinesische-Cuisine?

Schweinefleisch, Huhn und Süßwasserfische sind die Haupt-Protein Lieferanten in der chinesischen Küche und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Die nachfrage nach qualitativ hochwertigen Rindfleisch steigt momentan ins unermessliche. Chinesen lieben Rindfleisch. Langsam entwickelt sich aber auch mehr und mehr die Nachfrage nach Lammfleisch. Es ist alles vom momentanen Hype abhängig.

 

Welche vielleicht weniger bekannten Gewürze, Gemüse, Geräte verwendest Du und warum?

Ich koche sehr viel mit Pilzen. Bei einem guten Händler findet man eine unglaublich große Auswahl an Speisepilzen. Auch mit den verschiedenen Gemüse Sorten, die es in Europa nicht so oft gibt, lassen sich großartige Gerichte zaubern. Des Weitern koche ich gerne mit Hähnchenfüßen. Diese werden normaler Weiße in China gegessen, ich nutze diese aber für Suppen und Saucen, sie geben ein fantastisches Aroma ab.

 

Wie stehst Du zur Fusionsküche?

Zur Fusionsküche stehe ich Positiv. Schließlich übe ich diese ja aus. Allerdings sind die Harmonie und intelligente Kombination der Küchen sehr wichtig. Man kann nicht einfach mehrere Küchenstile zusammenwerfen und denken das wird schon. Hier muss man sehr viel ausprobieren.

 

Das Konzept hinter Slow Food ist gut, aber in größeren Restaurants/Hotels oft nicht umsetzbar, weil das Zeitbudget für die Gäste fehlt. Wo siehst Du eine Lösung?

Hierbei sind der Service bzw. das Sprachrohr des Koches eine tragende Rolle. Wenn man den Gästen die Idee dahinter näherbringt, kann man dafür das Interesse erwecken. In China investiert man aber von vornherein mehr Zeit für essen. Gerade wenn man mit mehreren Leuten isst. Es ist wie eine Zeremonie, es ist sehr beliebt, wenn der ganze Tisch mit einer Vielfalt von Speisen voll ist. Man teilt und unterhält sich. Da kann ein Abendessen auch mehrere Stunden dauern.

 

Welches ist Deiner Meinung nach das beste Street Food?

Welches das Beste ist kann man nicht sagen, da ist die Vielfalt zu groß. Street Food ist eine ehrliche Küche ohne viel Tamtam. Mein Lieblings Street Food findet man in den Philippinen. Dort werden kleine Spieße mit allerlei auf selbstgebauten Grills gegrillt. So simpel aber gerade deswegen zum niederknien und etwas Vergleichbares findet man auch auf den Straßen Chinas wieder.

 

 

Als innovativer Koch braucht man ehrliches Feedback. Woher bekommst Du das?

Ich bitte mein Team immer um ehrliches Feedback. Des Weiteren lasse ich gerne Kollegen aus anderen Abteilungen probieren und kritisieren. Auch in der lokalen kulinarischen Szene hole ich mir Feedback. Gerade jetzt entsteht in Xiamen ein großartiges Netzwerk lokaler Chefs, welche sich zwei Mal im Monat zu einem Mittagessen oder Abendessen treffen und sich austauschen.

 

Wo auf der Welt möchtest Du gern als Koch arbeiten?

Japan, Süd-Korea, Thailand, Singapore.

 

Gesunde Ernährung und Verständnis für Ernährung: Gibt es erste Tendenzen in China, diesen Ansatz bereits jungen Menschen zu lehren und gar als Schulfach zu etablieren?

Wie schon erwähnt entwickelt sich auch langsam ein Trend für gesundes bzw. sauberes Essen. Aber gerade in den ländlichen Regionen ist die Küche von Natur aus sehr rein und gesund.

 

Viele Köche sind daran interessiert, in China zu arbeiten. Hast Du Tipps oder Empfehlungen dazu?

Es ist gar nicht so leicht oder einfach eine Arbeitserlaubnis für China zu bekommen. Gerade wenn man nicht in einem studierten Beruf mit Doktortitel arbeitet. Bei mir selbst hat es vier Monate, Nerven aus Stahl und Einfallsreichtum gebraucht bis ich die Erlaubnis in den Händen halten durfte. Mein Tipp: Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg.

 

Was sollte man wissen, wenn man als Koch in China arbeiten möchte?

Dass es besser wäre, wenn man chinesisch spricht. 😊 Das meine ich ernst, ich selbst versuche jeden Tag neue Wörter und Sätze zu lernen. Gerade Wörter die ich in der Küche brauche. Das spart sehr viel Zeit und Frust. Auch sollte man sich vorher ein wenig mit der Kultur befassen. Das erspart mögliche Unannehmlichkeiten und Missverständnisse.

 

Worauf legst Du in der Küche wert, was Technik betrifft?

Die Beherrschung variabler Techniken im Beruf des Koches sind wichtig. Daher ist es mir eine Herzenssache meinem Team Arbeitsweisen weiter zu geben. Auf der anderen Seite tausche ich mich mit Kollegen aus der lokalen Kochszene aus, um für mich neue Methoden mir anzueignen.

 

Welche Materialien und Zutaten stehen bei Dir hoch im Kurs?

Momentan experimentiere ich mit chinesischem schwarzem Essig herum. Ein sehr intensiver Essig. Ich würde diesen mit „einem Schlag in das Gesicht“ beschreiben, aber intelligent eingesetzt kann er einen richtigen Kick in Gerichte bringen. Des Weiteren sind Pilze meine momentanen Aroma Waffen. China ist das Pilz-Schlaraffenland.

 

 

Wie wichtig ist das Team, worauf kommt es hier an?

Das Team ist das Herz einer Küche. Ohne ein funktionierendes Team funktioniert auch nichts. Hierbei spielt Leadership und vor allem Motivation die größte Rolle. Aus einem Team mit Individuellen Persönlichkeiten eine funktionierende Einheit zu machen ist die Königsdisziplin.

 

Welche Werte zählen für Dich beim Arbeiten in der Küche?

Vertrauen; gegenseitiger Respekt; Motivation; Passion; Freude und Teamfähigkeit.

 

Vielen Dank Tim, das war wirklich sehr beeindruckend! Für Deine Zukunft weiterhin alles gute.

 

Kannst Du Dir einen Weg, wie von Tim Ziegler, als Koch nach China vorstellen? Oder an einen anderen internationalen Ort?
Conrad Hotels & Resorts bietet Dir diese Möglichkeiten. Finde es raus, ob für Dich etwas Passendes dabei ist: https://jobs.hilton.com/our-brands/conrad.php
Übrigens, die Conrad Hotels & Resorts gehören zur Hilton Hotel Gruppe.

 

Wer plant eine private oder dienstliche Reise nach Xiamen, China?
Das Conrad Xiamen ist eine neue Luxusikone mit einzigartiger segelförmiger Architektur im Herzen von Xiamen’s Siming Central Business District. Das Hotel befindet sich im 37. Stock eines Zwillingskomplexes und bietet einen atemberaubenden weiten Blick auf die berühmte Insel Gulangyu. Mehr unter: https://conradhotels3.hilton.com/en/hotels/china/conrad-xiamen-XMNCICI/index.html
Fünf Restaurants und Bars bieten feinste Köstlichkeiten, von göttlichen kantonesischen und Fujianischen Gerichten über köstliche westliche Menüs bis hin zu modernen Grillgerichten.