von Susanne Voigt

Für Gastronomen ist es eines der Erfolgskriterien – die Lage der Gastro-Immobilie für das Restaurant. Wenn man sich in den Großstädten umschaut, gilt fast überall die Regel, dass die individuellen inhabergeführten Lokale in den einzelnen Stadtvierteln zu finden sind. Und in den Innenstädten und Shopping Malls prangen einem die Logos der immergleichen großen Ketten und Namen entgegen. Vieles spricht aber dafür, dass auch die Local Heroes und privaten Gastro-Konzepte wunderbar in Shopping Centern funktionieren können.

Eating is the new shopping!

Klar ist, dass mit den stetig wachsenden Umsätzen beim Online-Shopping viele Einzelhändler im stationären Handel um Kunden kämpfen müssen. Im Gegensatz zum Retail-Bereich nimmt allerdings der Außer-Haus-Konsum von Speisen und Getränken immer mehr zu – Food-Angebote werden deswegen immer wichtiger für die Kundenfrequenz. Deswegen gilt in der Immobilienvermarktung und Standortentwicklung in Geschäftslagen schon länger:  Eating is the new Shopping!

Wenn Shopping Malls zu Food Destinations werden

Kunden verbinden Shopping zunehmend mit einem Erlebnis, zu dem ein schönes Essen, Treffen mit Freunden und eine entspannte Atmosphäre dazu gehören sollen. Das heißt, Einkaufscenter sollten nicht nur die Aufenthaltsdauer, sondern auch die Aufenthaltsqualität erhöhen. Und das gelingt ganz besonders gut, wenn es ein vielfältiges Angebot an Gastronomie gibt. Stefan Schußmann ist Senior Leasing Manager im Key Account Management bei ECE Projektmanagement, einem der größten Unternehmen, das Shopping Malls in Europa entwickelt und verwaltet. Er weiß um die positive Wirkung der Gastronomie auf die Einkaufszentren: „60 Prozent unserer Besucher nutzen fast jedes Mal ein gastronomisches Angebot, wenn sie in unseren Centern shoppen gehen.“ Synergieeffekte entstehen für Handel und Gastronomie so automatisch: Die Einkäufer gehen gern essen und die Restaurantbesucher gehen shoppen. Für die Zukunft sehen Immobilien- und Standortentwickler sogar den Trend, dass attraktive Restaurants und Cafés erst einen Grund bieten werden, auswärts shoppen zu gehen. Das heißt, für alle im Außer-Haus-Bereich, dass der Run auf Gastro-Immobilien erst richtig los geht. „Bei Retail-Flächen gehört der Bereich Food & Beverages zur DNA– er ist das kulturelle und soziale Herzstück.“, konstatiert auch Gretel Weiß, Herausgeberin der Zeitschrift ‚Food Service‘ und geschätzte Analystin in der internationalen Gastronomie-Fachwelt.

Gastro-Immobilien in Einkaufscentern: durchaus günstig und lukrativ

Für Flächenanbieter in Einkaufszentren ist es also mittlerweile essentiell, attraktive Gastro-Immobilien anzubieten. Ein Mietermix aus Fashion und Fast Food reicht dabei natürlich nicht aus, um als Shopping Center zu einer Food Destination zu werden. Aber was kann eine Mall den Gastronomen bieten, damit diese dann zu einer angenehmen urbanen Atmosphäre in einem Shopping Center beitragen? Stefan Schußmann hat darauf eine klare Antwort: „Wir wollen das Beste einer Stadt unter unser Dach bringen. Dafür gestalten wir Räume, die interessant sind für alle Arten von Gastronomie – mit Flächen im Eingangsbereich, Dachterrassen, Food Courts und attraktiven Außenbereichen. Der Branchenmix unserer Centergemeinschaften sorgt dann für eine breite Menge an potentiellen Kunden und Gästen, die man in den sonst eher homogenen Stadtvierteln erst aufwändig anlocken müsste.“ Somit können durchaus verschiedenste gastronomische Einrichtungen und Restaurants in einer Mall ihre Gäste nebeneinander bewirten.

Die Gastronomie als Upgrade für die Shopping Center

Auch wenn die international bekannten Filialisten und die obligatorische Eiscreme immer im Angebot sein werden, können kleinere Gastro-Konzepte, die sich lokal schon bewährt haben, von der planbaren Kundenfrequenz eines Einkaufscenters profitieren und sich als willkommene Alternative etablieren. Ein weiterer Vorteil für private Gastro-Unternehmer ist, dass man auf die Unterstützung der Shopping-Mall-Betreiber setzen kann: „Wir haben zum Beispiel als besondere Gastro-Immobilien Kiosk- und Pop-Up-Bereiche, wo auch innovative Ideen getestet werden können. Gastro-Start-Ups beraten wir außerdem gesondert zu günstigen Finanzierungen und können gute Einstiegsbedingungen bei Mietkonditionen und technischem Ausbau anbieten. So räumen wir kleineren gastronomischen Einrichtungen eine Menge Hürden aus dem Weg“, versichert Stefan Schußmann. 

Warum also nicht die Potentiale eines Einkaufscenters nutzen und dort einen schönen Platz für’s Casual Dining schaffen, mit einem Farm-To-Table-Konzept durchstarten oder mit einem schlanken Mono-Konzept Streetfood-Genuss zaubern?!