Wenn man das Restaurant „Restlos Glücklich“ in Berlin Neukölln das erste Mal betritt, würde man es vermutlich als eine moderne gastronomische Einrichtung bezeichnen, die den aktuellen Zeitgeist widerspiegelt. Die Stühle und Tische scheinen nicht recht zusammenpassen zu wollen, die Wände sind nicht sauber verputzt. Auf den Tischen steht Gestrüpp, was im Einzelhandel nicht mehr verkauft worden wäre. An diesem Abend im November ist das Restaurant komplett ausgebucht. Die wieder erstarkte Wertschätzung der Lebensmittel scheint anzukommen.

Die Zutaten für das Restaurant: aus dem Müll gerettet

Alte Lebensmittel? Mitnichten, vielmehr handelt es sich laut dem Team von „Restlos Glücklich“ um gerettete Waren. Laut eigenen Angaben sind um die neunzig Prozent der Lebensmittel eigentlich für den Restmüll bestimmt gewesen. Gründe dafür sind beispielsweise ein abgelaufenes Verfallsdatum oder andere äußere Schönheitsfehler. Diese vermeintlichen Makel nutzt das Konzept für den eigenen Erfolg.

Das Restaurant ist eine von vielen Interessengemeinschaften, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollen. Der Unterschied besteht darin, dass der Verein hinter Restlos Glücklich zeigen will, dass man mit diesen Lebensmitteln sogar ein erfolgreiches Restaurant führen kann.

Das Team von Freiwilligen begann im letzten Jahr gemeinsam mit einem angestellten Koch, Messen, Caterings und andere gastronomische Events zu beliefern. Die anschließend gefundene Location in Berlin Neukölln stellte die perfekte Abrundung dar.

Das Fundament jeder Gastronomie

Es gibt fundamentale Weisheiten innerhalb der Gastronomie. Eine der Wichtigsten besagt, dass das Gericht entsteht, bevor die Zutaten dazukommen. Eine Art Henne und Ei Problematik. Ist das Gericht definiert, werden die dafür notwendigen Zutaten bestellt und eingekauft. Fragt man am Freitag nach dem Programm für den Samstag werden die Mitarbeiter in den seltensten Fällen eine Auskunft geben können. Dass diese Situation eine gesteigerte Kreativität des Küchenchefs verlangt, ist nur allzu verständlich.

Jeder Besucher des Restaurants „Restlos Glücklich“ soll durch das Konzept auf seine Eigenverantwortung aufmerksam gemacht werden. Natürlich, die Gesellschaft hat erkannt, dass jeder mit den erworbenen Lebensmitteln sinnvoll umgehen soll. Die Problematik nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung eine immer wichtigere Rolle ein. Die Gründe dafür sind vielseitig. Eine Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2012 hatte herausgefunden, dass jeder von uns durchschnittlich 82 Kilogramm pro Jahr im Hausmüll entsorgt. Eine unvorstellbar große Menge.

An dieser Stelle setzen die Initiatoren an. Sie möchten erreichen, dass jeder über seinen eigenen Konsum nachdenkt. Ist es wirklich nötig, den Joghurt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum wegzuwerfen? Stört dich der braune Fleck an der Banane so sehr, dass du sie nicht mehr verzehren kannst?

Das „Restlos Glücklich“ ist dabei nicht einmal innovativ. Vielmehr zeigt es uns, was unsere Großeltern schon längst vorgelebt haben. Die zur Verfügung stehenden Mittel sollen bestmöglichst genutzt werden.