Schon sein Vater holte den Titel. Nun tritt Phillip Krainbring in dessen Fußstapfen und trägt den CeresAward-Titel „Ackerbauer des Jahres“. Doch er setzt nicht nur auf Tradition, sondern auch und vor allem auf neue Medien Dadurch nimmt er User und potenzielle Kunden auf Instagram und Facebook mit in sein Leben und seine Arbeit.

 

Sie sind Ackerbauer des Jahres: Wie stolz macht einen diese Auszeichnung?

Diese Auszeichnung macht mich sehr stolz. Es war eine Ehre, unter den Finalisten zu sein. Meine zwei Ackerbaukollegen, die mit mir im Finale standen, sind sehr beeindruckende Menschen mit innovativen Betrieben. Da freue ich mich sehr, dass ich mich am Ende durchsetzen konnte. Außerdem hat der Titel für mich noch eine besondere Bedeutung, da mein Vater 2015 ebenfalls Ackerbauer des Jahres geworden ist.

 

Sie nutzen stark Social Media: welche Vorteile hat das und wie modern muss ein Ackerbauer heute sein?

Social Media ist für mich ein wichtiges Werkzeug geworden. Ich nutze vor allem Instagram und Facebook. Damit habe ich die Möglichkeit, die Menschen in meinen Alltag mitzunehmen und ihnen so einen Einblick in die heutige Landwirtschaft zu geben. Nicht jeder hat die Zeit, persönlich einen landwirtschaftlichen Betrieb zu besuchen, aber durch Social Media besteht die Möglichkeit zumindest virtuell dabei zu sein. Das schöne daran ist auch die Interaktion. Ich möchte nicht nur berichten, sondern einen Dialog führen, um sich gegenseitig besser verstehen zu können. Ein Ackerbauer bzw. Landwirt ist immer darum bestrebt, modern zu sein und sich weiterzuentwickeln. Auf den Höfen finden sich viel moderne Technik und innovative Ansätze. Allerdings denke ich nicht, dass die Benutzung von Social Media ein Indiz dafür ist, ob jemand modern ist oder nicht.

 

Ihre Webseite lautet Erklärbauer.de: Warum muss man das Handwerk heute mehr denn je erklären?

Früher waren viele Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt oder hatten zumindest direkten Kontakt zu einem Landwirt. Das hat sich total geändert, sodass oft kaum noch Bezug zur Landwirtschaft besteht. Zusätzlich wird durch die Medien ein Bild über die Landwirtschaft vermittelt, welches nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun hat. Mir geht es da mit anderen Bereichen und Berufen ja ähnlich. Um wieder ein realistisches Bild der Landwirtschaft zu vermitteln, ist es aus meiner Sicht notwendig, unsere Arbeit aus unserer Sicht zu erklären.

 

Generieren Sie auch neue Kundschaft über die sozialen Netzwerke?

Aktuell generiere ich keine Kundschaft über die sozialen Medien, da ich noch nicht wirklich etwas zu vermarkten habe. Doch im Frühjahr 2018 sind wir als Betrieb mit dem Anbau und der Vermarktung von Zuckermais gestartet. Über meine Social-Media-Kanäle möchte ich zeigen, wie wir den Mais anbauen. So soll es transparent sein und die Leute können sich entscheiden, ob sie diesen Mais kaufen möchten. Ich hoffe schon, dass wir im nächsten Jahr dadurch Kunden generieren können.

 

 

Fruchtfolge auflockern, Sorten und Mengen sorgfältig auswählen: Ist das das Geheimnis Ihres erfolgreichen (Be)Wirtschaftens?

Ja, die Fruchtfolge und richtige Sortenwahl spielt für mich eine wichtige Rolle. Aber das ist nur ein Baustein von vielen. Eine große Rolle spielt für mich der Boden. Ich setzte Mikroorganismen ein, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen und Humus aufzubauen. Das führt dazu, dass ich weniger mineralischen Dünger und weniger Pflanzenschutzmittel bei gleichbleibenden Erträgen benötige. Außerdem probiere ich Alternativen bei der Saatgutbehandlung aus. Normalerweise ist unser Saatgut chemisch behandelt, um den jungen Pflanzen Schutz zu bieten. Ich verwende elektronenbehandeltes Saatgut, welches ich teilweise noch mit Nährstoffen oder Mikroorganismen behandle. Dies fördert die Jugendentwicklung und schützt so auch die jungen Pflanzen. Die Kombination aus vielen kleinen Bausteinen macht am Ende den Erfolg.

 

Sie mischen konventionell und bio: Warum ist das notwendig?

Grundsätzlich mag ich dieses „Schwarz-Weiß-Denken“ und das damit verbundene „bio=gut“- und „konventionell=böse“-Zuordnen nicht. Doch wir finden diese extremen Sichtweisen nicht nur in der Landwirtschaft. Ich habe für mich entschieden, dass ich gerne das Beste aus beiden Bereichen verbinden möchte. Dies wird auch gerne als Hybrid-Landwirtschaft bezeichnet. So habe ich einen breiten Werkzeugkasten, um reagieren zu können. Für mich macht es keinen Sinn, in das eine oder andere Extrem zu gehen.

 

Sie verzichten auf chemische Mittel sowie mineralische Dünger und forcieren bis zu 50 Prozent weniger Stickstoff, Fungizide und Insektizide sowie null Wachstumsregler: Schlägt sich das im Preis nieder?

Ich verzichte nicht komplett auf chemische Mittel. Wie eben beschrieben, setze ich ja auf einen Mittelweg. Ich setze nach wie vor mineralische Düngemittel und auch Pflanzenschutzmittel ein. Aber es ist richtig, dass ich diesen Einsatz reduzieren möchte. Beim Stickstoffeinsatz liegt das Ziel tatsächlich bei 50 Prozent Reduktion. Doch noch bin ich da nicht angekommen. Beim chemischen Pflanzenschutz möchte ich auch weiter reduzieren. Allerdings habe ich hier noch keine Zielgröße, da es doch immer wieder Jahreseffekte gibt, bei denen ich situativ handeln muss. Im Preis schlägt sich das ganze nicht nieder. Ich vermarkte das Getreide weiterhin ganz normal und bekomme keinen Bonus dafür. Das Ziel ist aber natürlich, dass es irgendwann einen Bonus dafür gibt. Bis dahin muss es sich so rechnen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Mehr zu Phillip Krainbrings Arbeit gibt es auf der Webseite https://erklaerbauer.de/ und auf seinen Social-Media-Kanälen Facebook https://www.facebook.com/Ackerbauer.Phillip.Krainbring/ und Instagram https://www.instagram.com/phillip_krainbring/