Gerade hat Ove Wülfken vom Restaurant Fischers Fritz im Hotel Birke in Kiel den ersten Platz in der Kategorie Koch bei den 40. Deutschen Jugendmeisterschaften 2019 belegt. Doch auf dem Erfolg ruht sich der 21-Jährige nicht aus. Er hat große Pläne für die Zukunft.

 

Du hast den ersten Platz in der Kategorie Koch bei den 40. Deutschen Jugendmeisterschaften 2019 belegt: Was war Stein des Anstoßes mitzumachen?

Das ist eher durch Zufall passiert. Ich hatte davor schon bei diversen anderen Wettbewerben mitgemacht. Und war dort immer unter den ersten Drei gewesen. Bei der Landesmeisterschaft in Schleswig-Holstein bin ich dann Erster geworden. Außerdem hatte ich noch einen anderen Preis, den Rudolf Achenbach Preis, gewonnen. Die Dehoga hat dann drei Köche für die Jugendmeisterschaft ausgewählt und entschieden, wer mitfährt. Und ich war dann eben dabei …

 

Wie liefen die Vorbereitungen und der Wettbewerb?

Was die Vorbereitung angeht, habe ich viel theoretisch geübt, das war auch wichtig, im Betrieb und zu Hause. In der Schule stand dann viel Praxis auf dem Programm. Da wurde mir ein Warenkorb gestellt und ich musste daraus vier Gänge kochen: Vorspeise, Suppe, Hauptspeise und Dessert. Seit Mai habe ich geübt und hatte jede Woche einen Termin.

Was den Wettbewerb angeht, war die Theorie schon knackig: Es gab 30 Zettel, die man ausfüllen musste. Der Rest war gut, das Kochen lief super.

 

Und wie fühlt es sich nun an, Deutschlands bester Jungkoch zu sein?

Geil! Es fühlt sich richtig cool an. Auch meine Familie und Freunde sind megastolz. Das Verrückte: Eigentlich wollte ich ja gar keine Kochlehre machen, sondern Zimmermann werden. Ich bin damals nur zufällig nach Kiel gekommen zu meinem Vater und habe durch Zufall die Lehre angefangen. Meine Stiefmutter war die Initialzündung. Sie meinte damals: ,Mach doch da mal ein Praktikum.‘ Und dann hat mir das doch ganz gut gefallen. Und heute stehe ich hier.

 

Dein Siegermenü der Jugendmeisterschaften kann sich sehen lassen und offenbart einiges an Fähigkeiten:

Ja, ich habe als Menü folgendes gekocht: Als Vorspeise gab es eine Saiblingterrine mit Jakobsmuscheln, als Suppe eine Butternut-Kürbissuppe mit pochiertem Wachtelei und Spinatravioli. Als Hauptspeise habe ich ein sous-vide-gegartes Rinderfilet mit Kartoffelkrapfen, Selleriepüree, glasiertem Gemüse und Kalbsjus gemacht. Und als Dessert gab es ein Schnittchen von Karamellschokolade mit Granatpafel und Mandeleis.

 

Was liegt Dir in der Küche besonders, wofür schlägt Dein Herz?

Eher für das Süße. Weil man da so verspielt arbeiten kann. Man kann einfach so viel damit machen. Bei warmen Gerichten sicher auch, aber bei Süßem ist es einfach schöner, mit Zucker und Schokolade zu arbeiten, das mag ich.

 

Und an welchen Fähigkeiten arbeitest Du noch? Was möchtest Du zukünftig ausbauen und vielleicht noch lernen?

Ich möchte Geselle sein. Gerade erst habe ich meine Prüfung bestanden und will nun Gesellenaufgaben und Verantwortung übernehmen. Vielleicht eröffne ich auch irgendwann mein eigenes Lokal.

 

 

Wie stressig, aber auch wichtig und förderlich kann ein Druck manchmal sein, gerade in diesem Job?

Ich kann gut mit Stress umgehen und bleibe ruhig. Das ist auch wichtig, dass man das kann. Natürlich gibt es auch Tage, wo viel los ist, da ist man dann ganz schön kaputt. Gerade zur Weihnachtszeit. Wir haben zum Beispiel heute vier Buffets, die laufen alle abends an unterschiedlichen Orten, mit 90 Plätzen. Dazu kommt das Restaurant mit 25 Plätzen, wobei wohl jeder ein unterschiedliches Menü bekommt. Da muss man dann schon den Überblick behalten. Aber ich bin sehr strukturiert, das hat man auch beim Wettkampf gesehen.

 

Was magst Du am Kochberuf, welche Vorteile siehst Du?

Auf jeden Fall die Kreativität. Das reizt mich an dem Beruf: mit unterschiedlichen Produkten verschiedene Dinge zu machen. Und dass ich überall arbeiten, wenn ich möchte. Ich kann die Welt sehen. Denkbar wäre die Schweiz für eine Saison. Ich habe Glück, dass meine Freundin auch in der Gastronomie arbeitet, sie ist noch in der Ausbildung und nächstes Jahr fertig. So können wir schauen, dass wir nächstes Jahr irgendwohin kommen: Zum Beispiel nach Südamerika auf ein deutsches Weingut oder auf ein Schiff …

 

Inwieweit kannst Du Dich in der Küche des Fischers Fritz einbringen und Deine Ideen einfließen lassen, vielleicht sogar auf der Karte?

Ich schreibe die Karte sogar mit dem Chef zusammen! Wir setzen uns dafür alle zusammen und entwickeln die Karte zusammen. Wobei man schauen muss: Wir haben viele Lehrlinge, die müssen das später auch hingekommen. Es darf also nicht zu schwierig werden.

 

Du magst bodenständige Gerichte wie etwa Spaghetti oder Milchreis: Was macht sie aus und wie kann man ihnen vielleicht mehr Pfiff verpassen?

Sie sind einfach lecker und ich habe sie schon immer gern bei meiner Mama und meiner Oma zu Hause gegessen. Sie sind einfach gut so, wie sie sind. Da braucht es kein Chichi, nix Besonderes.

 

Was ist Dir wichtig, was das Team und die Arbeit mit ihm in der Küche betrifft?

Ich habe Glück, dass mein Chef nicht rumschreit. Er ist sehr human und wir sind echt ein gutes Team. Das ist auch wichtig, dass alle gut miteinander klarkommen und dass keiner rumschreit. Ich bleibe deshalb auch erstmal hier, weil ich einen super Chef habe. Das Besondere: Er kocht auch noch selbst und delegiert nicht nur, das hat man nicht überall.

 

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich will im Januar mein Zertifikat zum Pâtissier in Koblenz machen. Dafür nutze ich die Förderung, die ich beim Wettkampf bei den Jugendmeisterschaften gewonnen habe. Und ich will gern noch meinen Ausbilderschein machen. Und irgendwann will ich die Welt sehen und irgendwohin gehen zum Kochen.

 

Vielen Dank, Ove, und viel Erfolg bei Deinen Plänen!

 

Das familiengeführte Vier-Sterne-Hotel Birke in Kiel ist auf Business- und Wellnessgäste spezialisiert. Diese übernachten in Zimmern, Suiten und Apartments in maritimem Ambiente. Zum Hotel geht’s hier entlang: https://www.hotel-birke.de/

 

Im Restaurant Fischers Fritz wird Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit gelegt. Mindestens 60 Prozent der Waren kommen aus Schleswig-Holstein. Zum Restaurant geht es hier lang: https://www.hotel-birke.de/restaurant-kiel/