Heute stellen wir Ihnen die markante Laufbahn von Jérémy Biasiol vor. Sein damaliger Traum: ein Michelin-Stern. Wir haben ihn in Offenburg getroffen, wo er seit August als Chefkoch arbeitet. 

Geboren ist er in Lyon, Hochburg der Gastronomie und Stadt der « Bouchons » (typische Lyoner Gaststätte). Jérémy bestätigte, dass er schon in frühen Jahren Interesse an der Küche hatte. Für ihn stellte sich die Frage nach dem Traumberuf nie, weil sein Weg schon vorgezeichnet war. „Ich war kein schlechter Schüler, aber die Schule langweilte mich zutiefst. In der 10. Klasse musste ich ein Praktikum in einem selbstgewählten Unternehmen absolvieren. Dieses habe ich in einem Sternerestaurant in Lyon gemacht. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir bereits bewusst, in welche Richtung es mich ziehen wird. Ich beendete meine Ausbildung in einem „Lycée Hôtelier“, um den Job meiner Träume auszuüben.“

Für den Michelin-Stern – einmal rund um die Welt

Das Schlüsselwort, um einen begehrten Michelin-Stern für ein eigenes Restaurant verliehen zu bekommen, heißt nach Jeremys Ansicht Ehrgeiz. Bereits in seiner frühen Laufbahn zeichnete diese Eigenschaft seine Arbeit aus. „Parallel zu meiner Ausbildung habe ich mich immer in den renommiertesten Restaurants beworben, um nicht bezahlte Praktika im Sommer absolvieren zu können. Ich nahm den Guide Rouge (Michelin Führer) und schrieb systematisch die Restaurants an, die Sterne haben.“ Somit kam Jérémy in Kontakt mit Sterneköchen wie Georges Blanc und Alain Ducasse. Sein Engagement und sein Wille ermöglichten ihm ein Praktikum im 3-Sterne-Restaurant Georges Blanc in Vonnas.                            Seine Ausbildung abgeschlossen, fing Jérémy seine Karriere direkt bei Alain Ducasse in Paris an. Dies war der Anfang seiner vielseitigen Erfahrung in Restaurants, die zu den Besten der Welt gehören. Von Paris bis New York, über Monaco und London: 10 Jahre verbrachte Jeremy in der Ducasse Institution. Das Ducasse in New York bekommt mit ihm als Sous-Chef seinen dritten Michelin-Stern – bereits ein Jahr nachdem er dort anfing zu arbeiten. Was kann man als Koch noch machen, nachdem man in solchen luxuriösen Standorten gearbeitet hat? Im weiteren Verlauf werden wir sehen, dass Jérémys Ambitionen noch lange nicht erreicht waren.

Privatkoch beim Millionär

Ein Leben als Millionär zweieinhalb Jahre lang in New York zu führen, ohne ein echter Millionär zu sein, gehört zum Reich der Belletristik oder erinnert an die unglaubliche Epopöe von Christophe Rocancourt, ein französischer Betrüger der 80er Jahre, der jahrelang ein Leben in der Highsociety in den USA führte. Es ist aber dennoch eine Erfahrung, die unser Chefkoch erleben konnte. Durch die zahlreichen Kontakte, die er bei Ducasse sammeln konnte, traf er auf einen Millionär, der grade auf der Suche nach einem Privatkoch war. Hubschrauberfahrten, Reisen in allen Ecken der Welt – die zweieinhalb Jahre waren für Jeremy ein unvergessliches Erlebnis, welches aber, wie er uns verriet, mit der Zeit anfing, eintönig zu werden.

Kochlehrer in Hong-Kong

Als leidenschaftlicher Koch in den besten Sterne-Lokalitäten dieser Welt, landete Jérémy 2008 in Hong-Kong und fing an, als Kochlehrer zu arbeiten. „Ein Freund teilte mir mit, dass in Hong-Kong Lehrer für eine Kochschule gesucht werden. Durch meine Ducasse Erfahrungen standen für mich alle Türen offen. 15 Minuten nach meiner Bewerbung hatte ich schon eine Zusage bekommen“. Die Erfahrung, die Jeremy als Kochlehrer machte, fing an, ihm zu gefallen. Er betonte, wie unterschiedlich dieser Beruf als Lehrer im Vergleich zum Dasein als Koch im Sterne-Restaurant sei. „In einer Sterneküche ist es laut und es wird ständig gemeckert. Da ist kein Platz für Zeit und Geduld. Als Kochlehrer musst du dir die Zeit nehmen, alles gründlich zu erklären. Das war ganz spannend. Außerdem wurde mir viel Respekt entgegen gebracht. Die Leute in Hong-Kong wissen es zu schätzen, von renommierte Köche gelehrt zu werden und sie sind gierig nach Wissen.“

Der erste Michelin Stern für unseren Chef

2010 sehnte er sich nach neuen Herausforderungen. Mit einem Geschäftspartner eröffnete er nach Jahren als Angestellter nun endlich sein eigenes Restaurant. Der Erfolg kam sehr schnell: 2011 erhielt er seinen ersten Michelin-Stern, damals sogar als jüngster Sternekoch in Hong-Kong. „Seitdem ich 14 Jahre alt bin, sammele ich Michelin Führer“ erklärte er. „Das Ziel, einen Stern verliehen zu bekommen, war immer meins. Allerdings entspricht ein Stern nicht meinem tatsächlichen Lebensziel. Es ist ein bisschen wie die Bronzemedaille bei den Olympischen Spiele. Das Ziel bleibt, das Gold zu erreichen.“

Auf dem Weg nach neuen Sternen

Nachdem er sein Restaurant aufgrund einer astronomischen Erhöhung der Miete abgeben musste, arbeitete Jérémy als Chefkoch in einem Hotel in Shanghai. In diesem Jahr entschied er sich, zurück nach Europa zu kehren. Im August packte er seine Koffer in einem Hotelrestaurant in Offenburg in Deutschland aus. Sein Projekt ist es dort, wie sollte es auch anders sein, den Michelin-Stern zu bekommen. Warum aber kehrte er nach der langen Weltreise nach Europa zurück? Jérémy bereitet sich parallel auf den Wettbewerb „Meilleur Ouvrier de France“ (beste Handwerker Frankreichs) vor. Es wäre eine Anerkennung, die er gerne an seinem schon schön garnierten Palmares aufhängen möchte und die perfekt zu seiner Zielstrebigkeit passt, neue Sterne zu erobern.

Einige Kreationen von Jérémy