Nachhaltigkeit und Regionalität – zwei Eigenschaften, die nicht jedes Spitzenrestaurant aufweist. Das 2015 in Berlin eröffnete Restaurant „einsunternull“ zeigt trotz zahlreicher Kontroversen, was es bedeutet, eine eigene Handschrift zu haben.

Ohne Handyempfang und im wahrsten Sinne unterhalb des Großstadttrubels sitzt man als Gast abgeschirmt, ein Stockwerk tiefer, in einen überschaubaren Raum. Schlicht und schmal wirkt der einstige Bierkeller in der Farbe grau.

Das Konzept

Trotz dieser kargen Atmosphäre zeigt das Konzept vom innovativen Restaurant „einsunternull“ den eigentlichen Charakter: die Lebensmittel und Produkte, welche direkt aus dem Umland Berlins stammen, werden sparsam und gegen den heutigen Trend, alles in Masse zu produzieren, eingesetzt. Das Ziel des Restaurants ist, sich von der Konsumgesellschaft und deren Unsitte, Kaviar und Trüffel in renommierten Sterneküchen zu essen, während andere Menschen auf der Welt an Hunger leiden, zu distanzieren. Die Produzenten und Zulieferer werden sorgfältig ausgewählt, sodass auch die Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert einnimmt. Das Restaurant kennt alle beim Namen und begrüßt jedem mit Handschlag. Regionalität vom Bauer nebenan versus anonyme Großkonzerne.

Außer dem Wein und Kaffee entstammen sogar Pfeffer, Vanille und Olivenöl aus der nahen Umgebung – vieles wird vom Team selbst gesammelt.

Ein Stern für die innovative Bewegung

Ein Wechsel des handgefertigten Bestecks nach dem ersten Gang? Fehlanzeige. Das Wasser wird gespart. Küchenchef Andreas Rieger und Geschäftsführer Ivo Ebert leben in ihrer eigenen, zukunftsorientierten Welt. Die Küche ist von allen Gästen einsehbar und serviert nur zwei Fleischgänge, die mit großer Sorgfalt ausgewählt wurden: Saiblinge, die aus der nachhaltigen Fischerei stammen und Fleisch von der Rippe des Rindes, welches sonst nur als Tierfutter fungiert. Diese zwei schlichten Gänge sollen dem Gast bewusst machen, dass er gerade Tier ist.

Ansonsten sind die Gänge nicht so einfach gehalten: zu jedem Gang gehört mindesten zwei Monate Planungs- und Vorbereitungszeit. Jede Zutat und jeder Lieferant wird mit Bedacht ausgewählt, sodass der eine Stern, der für den Perfektionismus stehen könnte, gerechtfertigt ist. Statt lebenden Hummer in einen heißen Topf zu werfen, gibt es exquisite Gerichte wie Püree von der Zwergquitte getoppt von rohem Chicorée oder frisch gebackenes Champignonbrot.

 

Wenn Sie in Berlin wohnen oder als Tourist vor Ort sind, sollten Sie unbedingt Zeit finden, um bei einem leckeren Gericht über die Alternativen des Konsumverhaltens nachzudenken.