Die Geschichte von Anita Epulef ist begeisternd. Sie lebt in Curarrehue in der Region Araucanía im Süden Chiles. Das Land ist umgeben von Araukarienwäldern, Bäumen, die aus der Urzeit stammen, Seen, Flüssen und Vulkanen mit schneebedeckten Gipfeln. Hier ist man der Natur ganz nah.

 

Wenn man hierher reist findet man das Herz der Mapuche-Gemeinde. Historisch gesehen handelt es sich dabei um eine Stadt, die nicht die notwendige Unterstützung der chilenischen Regierung erfährt. Aber Anitas Initiative und ihre Küche helfen ihrer Kultur, sich neu zu entdecken.

Die Mapuche-Küche lebt in der chilenischen Gastronomie. Sie ist einzigartig, weil jeder Koch sie auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Dies rührt daher, dass es kaum Rezepte gibt. Hier wird mit Kindheitserinnerungen gearbeitet und vor allem mit viel Herz.

Jedes Jahr kommen Besucher aus der ganzen Welt, um die Erfahrung und die Lehrstunden zu erleben. Denn neben dem Restaurant-Service werden auch Workshops für diejenigen angeboten, die erfahren möchten, wie das Mapuche-Leben ist. Es ist ein Teil der Slow Food-Bewegung, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Außerdem reist Anita in europäische Länder, um seine ihre zu verbreiten. Letztes Jahr hat Anita an der Promotion von Marca Chile teilgenommen. Ein gutes Zeichen für die westliche Welt und die Mapuche-Welt.

 

Was heißt Mapuche?

Die Mapuche sagen, dass das „küme mongen“ der Zustand des Gleichgewichts mit all dem existierenden Leben ist. Wir nennen es „gut sein“, andere übersetzen es mit Lebensqualität. Ich bin ein wenig weiter gegangen und habe auch andere Menschen gesehen. Der Anteil derer, die sich der Natur verbunden fühlt ist in der letzten Zeit deutlich angewachsen. Allerdings kann dies auch einen Nachteil darstellen, wenn Ökosysteme dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Wenn wir das Wissen verlieren, das die ursprünglichen Völker hatten, weiß ich nicht, was mit unserer Natur geschehen wird. Einen Einfluss hat unserer rasanter Lebenswandel. Aus diesem Grund fühle ich eine sehr starke Eigenverantwortung, auch als Anhänger der Mapuche.

 

Wann hast du mit diesem Abenteuer angefangen?

Ich habe vor 14 Jahren angefangen zu arbeiten, ich habe beim Aufbau eines Kulturzentrums in Curarrehue mitgeholfen, das die Gemeinden hier stärkt, und der Ort war so schön, dass er in der Region und im Land schnell Aufmerksamkeit auf sich zog, weil es viel darüber aussagt was durch das Mapuche-Weltbild ausgedrückt wird. Dort luden sie mich zur Arbeit ein, und dann kamen viele Besucher und sie sahen, dass ich auch eine Alternative anbot. Beispielsweise dann, wenn man mit seinem Partner etwas trinken gehen möchte oder einfach nur um ein Omelett zu essen.

 

Verbreitest du durch Essen deine Kultur?

Ja oder ich schaffe Räume für einen Dialog, den die Regierung uns bislang nicht gewährt. In Chile gibt es viele unterschiedliche Kulturen, die Beachtung verdienen.

 

Was möchtest du durch die Mapuche-Küche erzählen?

Die Leute, die hierher kommen, tun dies, weil sie auf der Suche nach einer besonderen Erfahrung mit Nahrungsmitteln sind. Da setzen wir an. Wir wollen durch unseren Unterricht eine besondere Form der Saisonalität der Natur vermitteln. Wir orientieren uns daran, was uns die Ernte zu welcher Jahreszeit zur Verfügung stellt. Nicht immer ist alles verfügbar, dann gehen wir in den Wald und suchen uns dort Früchte, die wir verarbeiten und verzehren können. Dadurch wollen wir ausdrücken, dass wir das sind, was wir essen. Dadurch bekommen wir ein besseres Gefühl für das Klima und die Jahreszeiten, aber natürlich auch für das Mapuche-Leben.

 

Pisku ist ein Gericht, welches wir aus deiner Speisekarte probiert haben. Kannst du es kommentieren?

Es ist sehr repräsentativ für das Gebiet der Gebirgskette. Es besteht aus mehreren Müslis. Es unterscheidet sich im Sommer und im Herbst. Je nachdem müssen die Zutaten geräuchert, geröstet oder gelagert werden. Dadurch erhält man gänzlich unterschiedliche Aromen. Das was Sie jetzt probiert haben, besteht aus frischem Getreide. Es ist nicht trocken, aber es wird geerntet und verarbeitet. Die Bohnen, die Erbsen, der Mais – es ist fantastisch.

 

Ist Mapuche-Essen also auf Getreide aufgebaut?

Natürlich habe ich versucht, hier ein saisonales Essen zu präsentieren. Es zeigt, das man im Laufe des Jahres verschiedene Gerichte essen kann, nicht nur Fleisch.

 

Und die Getränke?

Für uns sind Getränke genauso wichtig wie Essen. Kinder trinken nur Wasser. Erwachsene Apfel oder Quitte chicha. Nicht einmal die süßen Speisen (Desserts) werden neben der Hauptmahlzeit eingenommen, sondern als Mittagessen am frühen Morgen, da das Leben sehr früh beginnt.

Dadurch mischen wir das Süße nicht mit dem Salzigen. Wenn es sich um gekochte Pinienkerne handelt, die hier am häufigsten verwendet werden, setzt man einen Teller Pinienkerne und eine leichte Suppe dazu. Das ist das Mittagessen. Oder der Mais. Er wird gekocht und sie können ein oder zwei davon essen und das war’s.

 

Manchmal fragen mich die Gäste nach Coca Cola. Dann sage ich ihnen, dass es keine gibt, weil ich nicht weiß, wie ich sie vorbereiten soll.

 

Wie hast du kochen gelernt?

Meine Großmutter hat mir nie gesagt: „Komm her, ich lehre dich, wie man kocht, das ist so, hier musst du umrühren, …“. Nein, sie kochte nur, aber da man von klein auf eine Verbindung empfindet, erinnere ich mich daran, dass dies meine Erkenntnisse waren. Ich hatte das Gefühl, das ich kochen möchte und ich erkannte, dass ich nach den nötigen Kräutern suchen werden. Wenn ich neue Gerüche wahrnehme erinnert mich das an meine Großmutter. Natürlich hatte auch meine Mutter ihren Einfluss: „Wie bringe ich ihnen kochen bei? Kümmer dich um die Kartoffeln. So konnte ich meine eigene Küche kreieren.  Im Allgemeinen gibt es hier keine Rezepte, die in irgendeiner Weise etabliert sind, obwohl es einige als Spitznamen gibt.

Heute bin ich sehr dankbar und habe mir viel von dieser Erinnerung gespeichert. Die Küche ist somit eine Erinnerung, und dort entsteht eine Handlung.

 

Wer kommt noch ins Restaurant? Touristen, Chilenen, Mapuches?

Die Mapuches nicht so sehr, weil wir nicht die Angewohnheit haben, an einem Ort zu essen. Diejenigen, die mehr kommen, sind Touristen, Studenten des Tourismus. Es gibt andere Studenten, die aufgrund von Kultur reisen. Ich arbeite vor allem im Winter mit diesen Studenten.

 

Was können wir in deinen Workshops finden?

Wir haben Zeit für Schule, Workshops, Kochen. Wir laden Menschen ein, Produkte kennen zulernen, andere auszuprobieren, um Ideen für die Verwendung von Quinoa, getrocknetem Mais, Pinienkernen, Kartoffeln, Haselnüssen, Wildfrüchten, wie sie gesammelt werden, zu geben.

 

Anita Epulef vielen Dank.

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