Woran denken Sie, wenn Sie an Kochen im Mittelalter denken? Rittermahle, bei denen fürstlich aufgetischt wurde? Oder ausschweifende Gelage, bei denen die Tischmanieren kurzerhand über Bord geworfen wurden? Die Gastronomie zu dieser Zeit ist unfassbar spannend.

Tatsächlich gab es solche Ausschweifungen zumeist nur bei Hofe, dort wo reiche Menschen sich eine solche Szenerie leisten konnte. Der Irrglaube, dass zu jener Zeit die armen Menschen oftmals hungerten, ist aber auch nicht zwangsläufig richtig. An besonderen Feiertagen, beispielsweise dem Erntedankfest, lebte auch die normale Bevölkerung im Überfluss.

Kochen in einer faszinierenden Zeit

Unzweifelhaft handelt es sich beim Mittelalter um eine der spannendsten und geheimnisvollsten kulinarischen Epochen überhaupt. Dabei sind nicht alle Geheimnisse jener Zeit bis in unsere heutige Zeit übermittelt worden. Das Mittelalter dauerte vom 6. bis ins 15. Jahrhundert und umfasst dadurch mehr als 1000 Jahre Geschichte. Dass in diesem extremen Zeitraum zahllose Entwicklungen und Veränderungen stattgefunden haben, ist nur allzu verständlich.

Die Wissenschaft weiß inzwischen relativ genau, dass sich die Ernährung und das Kochen im Mittelalter immer wieder verändert haben. Dies ist vor allem der Latrinenforschung zu verdanken. Latrinenforschung? Ja genau, wir meinen tatsächlich diese Latrine. In den Gruben des Mittelalters haben sich alle vorstellbaren Ausscheidungen über die Jahrhunderte angesammelt. Mit deren Hilfe ist es den Wissenschaftlern heute möglich, zu erforschen, was die Menschen damals konsumiert haben.

Die Vielfalt der Küche des Mittelalters

Stellt man sich die Restaurants und die Gastronomie im Allgemeinen vor, denkt man wahrscheinlich zu allererst an deftige Mahlzeiten. Vielfalt spielt dabei in der Vorstellung eine untergeordnete Rolle. Doch die Aufzeichnungen und Kochbücher des Mittelalters zeichnen ein vollkommen anderes Bild. Die Auswertung der Schriften zeigt deutlich, dass die Rezepte sehr vielseitig und die Fülle an Konservierungstechniken enorm war. Der Speiseplan war vielfältig und die Gerichte, welche heute anhand der Vorgaben nachgekocht werden, werden oft als grandios beschrieben.

Ein wesentlicher Unterschied bestand in der Saisonalität. Das Kochen war nahezu immer nach den Jahreszeiten ausgerichtet. Im Gegensatz zu unserer heutigen Zeit konnten die Menschen nicht auf Lebensmittel aus aller Welt zurückgreifen. Die regional verfügbaren Lebensmittel bestimmten die Art der Gerichte. Spinat gab es im Frühling, Erbsen im Sommer. Im Herbst waren Radieschen verfügbar, der Grünkohl nur im Winter.

Der gesellschaftliche Stand

Dabei war die Art der Ernährung natürlich vom eigenen Stand innerhalb der Gesellschaft abhängig. Ärmere Menschen mussten sich mit Getreidebrei zufriedengeben, welcher mehrmals am Tag zubereitet wurde. Viele Menschen des Mittelalters kannten nur diese Speise. Selbst der Handel von Zutaten und Gewürzen zwischen benachbarten Siedlungen war keine Selbstverständlichkeit, weshalb die Vielfalt des täglichen Konsums auf der Strecke blieb.

Dem Adel hingegen war keine Aufwendung zu teuer. Kostspielige Gewürze wurden aus dem Orient eingeführt. Safran, eines der teuersten Gewürze überhaupt, wurde in unvorstellbaren Mengen importiert. Ein Grund für diese opulente Verwendung der Gewürze bestand darin, dass der lange Transport die Aromen der Ausgangsstoffe verschwinden lies. Diesem Prozess wurde entsprechend entgegengesteuert.

Wer heute einen Einblick in ein Wirtshaus jener Zeit gewinnen will, dem können wir das Gasthaus Anno Domini in Dresden empfehlen. Ohne zu viel verraten zu wollen: der Besuch ist eine Empfehlung.