Mit 23 Jahren erhielt Holger Stromberg für seine Kochkunst einen Michelin-Stern. Ernährung und die damit zusammenhängende körperliche Leistungsfähigkeit waren von jeher sein Thema, über das er auch Kochbücher schrieb. 2006 nahm ihn Oliver Bierhoff unter Vertrag – als Koch und Ernährungscoach für die deutsche Nationalmannschaft. 10 Jahre begleitete er die Spieler rund um die Welt.

 

Holger Stromberg „Nur aus Gutem lässt sich auch etwas Gutes zubereiten.“

 

Welcher Anruf war aufregender: der von Guide Michelin und der Benachrichtigung über den ersten Stern oder der von Oliver Bierhoff und seiner Frage, ob Du Koch der Nationalmannschaft werden möchtest?

Beides waren innerliche Kirschblütenfeste, denn es war jeweils das Resultat harter und stetiger Arbeit. Mein Fleiß, meine Beharrlichkeit und meine Leidenschaft zum Beruf haben sich ausgezahlt. Aber noch heute danke ich den Chancen die mir zuteil wurden.

 

Hast Du für die Fußballstars anders gekocht als für Deine Gäste damals im Restaurant?

Entscheidend ist immer die Qualität der Produkte, die Nachvollziehbarkeit der Herkunft und natürlich die richtige Weiterverarbeitung bzw. Zubereitung. Nur aus etwas Gutem lässt sich auch Gutes kochen. Da spielt es keine Rolle, ob ich für einen Gast koche oder einen Spitzensportler.

 

Zehn Jahren lang hast Du für die Nationalmannschaft gekocht. Ein Traumjob. Warum hast Du aufgehört?

Sicher war es ein Traumjob, aber eben auch verbunden mit zahlreichen Reisen. Ich habe nachgezählt, in manchen Jahren war ich 250 Tage unterwegs. Wenn Sie Familie haben, müssen Sie irgendwann eine Entscheidung treffen.

 

Während Deiner Zeit holte die Elf den WM Titel, jetzt dieses Debakel. Mit Stromberg wäre das nicht passiert?

(lacht) Wer weiß? Aber mal im Ernst, Das richtige Essen kann sicherlich leistungsfördernd sein, wenn es um die körperliche Verfassung geht. Für das perfekte Zusammenspiel in einer Nationalelf sind natürlich viele anderer Kriterien von größter Bedeutung.

 

Trotzdem – falsches Essen macht schlapp.

Stimmt. Was ich verzehre oder wann ich esse, ist entscheidend wie ich mich fühle. Wir kennen das alle, das „Essen liegt schwer im Magen“. Essen kann nur schwer im Magen liegen, wenn es entweder zu viel war oder die falsche Kost für den Einzelnen! Natürlich gibt es auch grundlegende schwere Kost, aber die wird bei der N11 ohnehin nicht serviert.

 

 

Gibt es eine Faustregel, um das individuell passende Essen zu finden?

Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber wenn Sie herausfinden möchten, was Ihnen gut tut, hilft Buchführung. Einige Tage oder Wochen aufschreiben, was wann gegessen wurde und wie man sich danach gefühlt hat. Da wird jedem schnell klar, was er besser sein lassen sollte.

 

Dein Weggang ist bald zwei Jahre her – hast Du die Entscheidung bereut?

Nein. Und als Berater stehe ich dem DFB ja immer noch zur Verfügung. Eine Nähe zum Fußball wird es immer geben.

 

Du hast sicher viele Souvenirs aus dieser aufregenden Zeit. Da dürfte Dein kleiner Sohn die tollsten Trikots zum Spielen haben?

Ja. Nein. Die meisten Andenken sind gut verwahrt in einer verschlossenen Kiste. Wenn Mick größer ist und um die Einzigartigkeit dieser Dinge weiß, darf er sie öffnen.

 

Du hattest auch eine Currywurstbude in München – wie passt denn das zu einem Ernährungsexperten?

Das war Liebe und Provokation zugleich. Kein Gericht der Welt ist per se ungesund, es kommt eben auf die Zutaten an und das habe ich mit Curry73 bis zum Abriss der Bude 2018 beweisen können.

 

 

Inzwischen hast Du Dich wieder auf Deine Live-Veranstaltungskonzepte und auf Consulting spezialisiert. Angesichts Deiner beruflichen Vorgeschichte – wo bleibt da die Herausforderung?

Ich bin viele Jahre Höchstleistung gefahren, habe dabei nicht nur meine Familie, sondern auch meine Gesundheit zu kurz kommen lassen. Meine neue Herausforderung ist es, die 5-Tage-Woche zu schaffen – auch wenn die momentan bei mir 14-Stunden-Tage umfasst. Einen Betonmischer erst einmal auf Fahrt gebracht, bremst aber niemand in null komma nichts runter.

Früher war ich besessen davon, noch besser kochen zu können, alle Restaurants und Lebensmittel kennenzulernen, Sterne zu bekommen. Aber die Prioritäten ändern sich: Ich habe diese große innere Sehnsucht nach Familie, Natur und Ausgeglichenheit.  Wir stehen mitten im Prozess meine f.e.b. GmbH STROMBERG einem Richtungswechsel zu unterziehen, um sie auch in der digitalen Zukunft erneut wirtschaftlich erfolgreich zu positionieren. Langweilig wird es also einem Macher wie mir nicht.

 

Gibt es noch einen ganz besonderen Traum?

Meinen langgehegten Traum vom Eigenheim inmitten der Natur haben wir uns gerade erfüllt. Mein Sohn Mick liebt es, wenn dann die Großeltern kommen und die Großfamilie beisammen ist, die er und ich so sehr brauchen. Das sind sehr glückliche Momente.

 

Ein eigenes Restaurant willst Du nicht mehr?

Nein, meine Unternehmen bieten alles, was mir Spaß macht. Besonders in meiner ‚Kounge’, Kochschule und Eventlocation. Immer wieder neue kulinarische Themen und Gäste, die Qualität zu schätzen wissen.

 

Wenn heute ein Anruf aus dem Profisport oder Showbiz käme und man Dich als Ernährungscouch haben will – bei welcher Person/Team könntest Du rein theoretisch am ehesten schwach werden?

Was für eine Frage! Mit der haben Sie mich ein bisschen gekitzelt. Denn für mich zählt die Mission. Wenn ich verändern, mir aber dabei treu bleiben darf und das Gefühl habe, den Menschen mit meinen Tipps helfen zu können, bin ich einzufangen.

 

Vielen Dank für das Interview.