von Susanne Voigt

Wer sein Herz an die Gastronomie verloren hat, wird irgendwann seinen Traum vom eigenen Restaurant, Café oder Bar verwirklichen wollen. Neben dem gastronomischen Konzept, ist dabei die Suche nach einer geeigneten Gastronomie-Immobilie eines der wichtigsten Kriterien, um auf Dauer erfolgreich zu sein. Der Standort des Lokals muss dabei natürlich zum Vorhaben und der Zielgruppe passen.

Bistros in Innenstadtlagen setzen auf Laufkundschaft aus umliegenden Büros und shoppingmüde Kunden. Restaurants der gehobenen Gastronomie sollten zum Beispiel auch auf ausreichend Parkmöglichkeiten für Gäste achten. Generell gilt für die Entwicklung im Bereich der urbanen Gewerbeeinrichtungen, dass die Attraktivität von Einzelhandelsflächen in Großstädten stagniert oder sogar verliert.

Dabei werden aber gastronomische Flächen in Innenstadtlagen immer wichtiger: Eating is the new shopping! Selbst kleinste Räume werden für gastronomische Konzepte genutzt und müssen nicht unbedingt nur für Imbissangebote herhalten. Der Trend zu Mono-Restaurants, wo nur wenige, dafür aber erstklassige Lebensmittel angeboten werden, spielt dabei auch kleinen Gastro-Immobilien gut in die Karten.

Neben der Lage des Lokals ist natürlich die Gastronomie-Immobilie in seiner Art als Gebäude und in seiner Ausstattung entscheidend. In einem cleanen Glas- und Stahlgebäude wird nie die Atmosphäre eines Bierkellers aufkommen. Auch kann nicht jede Gewerbeimmobilie automatisch auch gastronomisch genutzt werden. Baurechtliche Vorschriften machen Ein- und Umbauten wie Fettabschneider und Abluftanlagen in den meisten Fällen notwendig. Da muss man als interessierter Gastronom bei den Vermietern bisweilen Überzeugungsarbeit leisten. Doch wenn man sich mit der Gastronomie-Immobilie sicher ist, dann lohnen sich auch diese Investitionen. Was die Außenflächen betrifft, kann der nötige Umsatz durchaus auch auf der Straße liegen: Ist bei einer Bar kein Freisitz verfügbar, muss das kein Problem sein. Ein Café, das bei schönstem Frühlingswetter den Nachmittags-Cappuccino nur drinnen anbieten kann, muss allerdings mit einigem Aufwand seine Gäste hinein locken.

Mieten oder pachten?

 

Hat man die richtige Immobilie gefunden, stellt sich die Frage, ob man diese kaufen, mieten oder pachten kann. Bei einem normalen Mietvertrag ist nur die Nutzung der Räumlichkeiten erfasst. Ein Pachtvertrag deckt hingegen zusätzliche Rechte ab, wie beispielsweise die Nutzung von Interieur und die damit verbundenen Vorteile, auch „Fruchtziehung“ genannt. Das heißt, wenn in dem Gastronomieobjekt Inventar für den Gaststättenbetrieb vorhanden ist, das für die Zubereitung von Speisen und Getränken genutzt wird (wie Küche, Kühlschränke oder Kochgeschirr), dann wird in der Regel ein Pachtvertrag geschlossen. Die rechtliche Ausgestaltung eines Pachtvertrags orientiert sich jedoch weitgehend am Mietrecht. Abweichungen ergeben sich lediglich bei der Kündigungsfrist und der für die Pacht nicht unüblichen Umsatzbeteiligung des Verpächters.

Gastro-Konzept küsst Immobilie

Einige Pachtobjekte sind sogar komplett ausgestattet. Dies bietet sowohl Vorteile als auch Nachteile. Ist bereits eine professionelle Gastronomieküche vorhanden, ist dies insbesondere für Neugründungen von Vorteil, da die Küchenausstattung in der Regel recht kostspielig ist. Die intensive Nutzung insbesondere von Spülmaschine, Herd, Backofen und Arbeitsflächen erfordert allerdings auch eine professionelle Ausstattung. Eine Kompletteinrichtung inklusive Mobiliar hingegen kann von Nachteil sein, da so die passgenaue Ausrichtung an das eigene Konzept erschwert wird.

Die Inneneinrichtung lässt sich natürlich passend zur Gastro-Idee je nach Budget und Gusto gestalten. Geiz ist beim Interieur aber alles andere als geil. Denn insbesondere bei den Möbeln sollte nicht gespart werden, da sie ein Teil des Gasterlebnisses sind. Der Gast verbindet mit der Einrichtung eine bestimmte Erwartung, denn der Besuch in einem Restaurant ist ein Gesamterlebnis, das nicht nur geschmacklich, sondern auch visuell verwöhnt. Zielgruppengetreue Qualität hat auch hier ihren Preis und qualitativ minderwertige Möbel machen demnach optisch meist nicht viel her. Zudem ist auch ihre Haltbarkeit fraglich – daher zu Beginn lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Die Regel „design follows function“ gilt für einen Gastronomiebetrieb ganz besonders, weil im vollbesetzten Laden der Ablauf vor und hinter der Theke dann effizient und geschmeidig fließen kann, wenn Technik, Optik und Service Hand in Hand gehen.

Hat man sich für seine Gastro-Idee durch all diese Punkte gearbeitet, also ein passendes Objekt, in geeigneter Lage gefunden und mit konzeptgerechter Ausstattung versehen, dann braucht man nur noch das „gast-wirtschaftliche“ Händchen um als Gastronom durchzustarten.