Sven Schnieder stammt aus Langen nahe Bremerhaven. Das Leben AM Meer ist ihm bekannt, das Leben AUF dem Meer ebenso: Der Koch arbeitete bereits in der Küche der Neumayer-Station III, einer deutschen Polarforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis. Mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ war er außerdem im Südpolarmeer unterwegs.

Nun der nächste Einsatz: Sven Schnieder kocht für die gut 100 Mann starke Besatzung der „Polarstern“ monatelang fernab der norddeutschen Heimat im ewigen Eis. Das Forschungsschiff lässt sich im Rahmen der Expedition „Mosaic“ ein Jahr lang in der Arktis einfrieren.

Das Spannende: Durch das Driften auf bzw. mit einer Eisscholle sammeln die Forscher an Bord Wetterdaten, um den Klimawandel besser verstehen zu können. Wir konnten Sven Schnieder, der die Crew rund um die Uhr bewirtet, für ein Interview unterwegs erreichen. Er verrät, wie die Bestellung und Lagerung von Lebensmitteln auf einem Forschungsschiff funktioniert, wie er die Besatzung bei Laune hält, warum die Bewirtung der in einem Hotel gleichkommt und welche Aufgaben er als Koch sonst noch übernimmt.

 

Wo liegt der Reiz, auf einem Forschungsschiff zu kochen? Was war der Grund, anzuheuern und mitzumachen?!

Ich habe das Angebot, auf die „Polarstern“ als Küchenchef zu fahren, während meiner Überwinterung In der Antarktis, Neumayer Station lll , 2015-2017 bekommen. Man sagt „wenn man einmal im Eis war, will man immer wieder zurück“. Und genau so ist es bei mir gewesen. Im gleichen Jahr, 2018, bin ich mit der „Polarstern“ zur Versorgung der Station im Dezember zurückgekehrt und war wieder begeistert, als wäre ich gar nicht weg gewesen! Jede Fahrt ist eine neue Herausforderung und eine tolle Expedition, auf die man sich einlässt. Wer kommt schon an solche Orte der Unberührtheit.

 

Es ist nicht Ihr erstes Mal als Koch auf See: Womit haben Sie aber dennoch vorher nicht gerechnet?

Man sollte mit allem rechnen bzw. schnell improvisieren können. Zum Glück habe ich diese Gabe. Ruhe und Gelassenheit sollte man auch mitbringen!

 

Sie waren bereits als Kreuzfahrer unterwegs: Worin unterscheidet sich die Bewirtung auf einem Forschungs- und einem Kreuzfahrtschiff?

Ein Kreuzfahrer ist zwischen 4 und 14 Tagen wieder im nächsten Hafen und braucht mit dem Proviant nicht in dem Maße zu Haushalten wie wir es müssen. Alle drei bis fünf Monate bekommen wir begrenzten Nachschub. Für Notfälle haben wir zwei Container an Bord, sollte mal eine Versorgung ausfallen.

 

Wie funktioniert die Kalkulation des Lagers und die Lieferung von Lebensmitteln?

Wir werden mit externen Eisbrechern aus Norwegen mit Proviant versorgt. Ich bestelle gut zwei Monate vor Anlieferung den Proviant. Man sollte für solche Mengen gut mit Zahlen und natürlich mit Erfahrung umgehen können.

 

Was passiert im Notfall, wenn ein Versorgungsschiff oder Flugzeug nicht durchkommt?

Wie oben erwähnt, kommen dann die Notfallcontainer zum Einsatz.

 

 

Was isst die Crew am liebsten?

Die Crew ist immer dankbar für Abwechslung im Speiseplan und ich bin immer dankbar für Essenswünsche aus der Crew und Wissenschaft.

 

Gibt es spezielle Essenszeiten oder ist es wie im Hotel mit 24/7-Versorgung?

Es ist wie im Hotel. Nur dass wir für die Leute, die auch nachts arbeiten, Kühlschränke in den Messen (Anm. d. Red.: Speiseräumen) haben, wo man sich 24 Stunden verpflegen kann.

 

Was ist das schwierigste an diesem Job?

Das schwierigste ist, dass es ein Traumjob ist … Weil jeder Tag anders ist und die Orte, die Tierwelt und das Umfeld traumhaft sind.

 

Gerade ist es auch tagsüber dunkel. Wie halten Sie sich und die 100 Mann Besatzung bei Laune?

Wichtig sind in der Dunkelheit ein geregelter Tagesablauf und somit auch Essenszeiten. Sollte der Kopf einem mal streiken, ist es wichtig, sich zu beschäftigen und Gesellschaft zu suchen. Da ist es gut, mit selbst gebackenem Kuchen und leckerem Essen zu trumpfen. Wir haben das Glück, dass wir einen Bäcker haben, der täglich für frische selbst gemachte Brötchen und Kuchen sorgt. Das ist jeden Tag ein Highlight.

 

Gibt es kulinarische Highlights, Feiern?

Wir werden regelmäßig grillen. Solche Anlässe sind immer wichtig, um die Menschen zusammenzubringen und dass sie sich außerhalb ihrer Arbeit kennenlernen und unterhalten.

 

Welche Zutaten bzw. Lebensmittel waren am schwierigsten zu organisieren oder auch einzulagern?

Wir haben leider keine Möglichkeit, frische Salate, Tomaten, Gurke oder auch exotische Früchte und kommen zu lassen, weil die Anreise zur „Polarstern“ schon vier Wochen dauert.

 

Wie gelingt „mit frischen Zutaten“ kochen auf einem Forschungsschiff?

Wir sind auf lagerfähige Produkte angewiesen. Rot- und Weißkohl, Karotten, Kürbis, Kartoffeln sind die gängigen und lagerfähigsten Produkte bei uns. Gut kombiniert mit TK-Gemüse reicht es über Monate.

 

Gibt es Aufgaben, die Sie hier zusätzlich übernehmen müssen, was in einem Restaurant nicht notwendig wäre?

Außer dass ich 24/7 bis zu fünf Monate online bin, habe ich den normalen Wahnsinn vom Psychologen bis zum Betreuer ;).

 

Herzlichen Dank für das Interview und viel Freude weiterhin auf der „Polarstern“!

 

Alle Infos rund um das Forschungsschiff „Polarstern“, wie die Expedition aussieht, wo sich der Eisbrecher gerade befindet, was an Bord passiert und welche Daten die Forscher sammeln, gibt es hier: https://www.awi.de/expedition/schiffe/polarstern.html