Burkhard Bernöhle ist Geschäftsführer vom Merschkämper Hof und betreibt Landwirtschaft mit Leidenschaft. Seine Spezialität ist die Produktion von naturbelassenen Brotbackmischungen. Lesen Sie hier, um mehr über seine spannende Geschichte zu erfahren. 

 

Du legst viel Wert auf ehrliche Handarbeit und ursprüngliche Produkte. Wie lange betreibst Du schon Landwirtschaft und was hat sich Deiner Meinung nach in den letzten Jahren geändert? 

Ich bin auf dem elterlichen Hof mit der Landwirtschaft groß geworden. Wir haben nur einen kleinen Betrieb und es zeigte sich für meinen Vater schon in den 80er Jahren, daß wir unter den damaligen Voraussetzungen in der Landwirtschaft selbst im Nebenerwerb niemals ein Auskommen erwirtschaften könnten. So wurden die Flächen des Betriebs ab 1988 größtenteils verpachtet und die Landwirtschaft lief nur noch in kleinem Maßstab nebenberuflich weiter.

Seit 2014 habe ich mich wieder intensiver um die Landwirtschaft gekümmert und versuche mit historischer Landtechnik und sehr ursprünglichen Produktionsmethoden gute Produkte in handwerklicher Qualität herzustellen. Natürlich war früher nicht alles besser, aber der Kontakt zum handwerklich hergestellten Produkt ist sicherlich in der heutigen Zeit etwas verloren gegangen. Meine Sachen begleite ich von der Aussaat bis zum Verpacken und weiß genau, was ich ausliefere. Die Landwirtschaft ist klein aber fein, also alles gut überschaubar.

 

Der heimliche Star auf Deinem Hof ist Dinkel, das spiegelt sich vor allem in Deinen Brotbackmsichungen wieder. Wieso Dinkel und warum kein Weizen? 

Dinkel ist als ursprüngliches Getreide besonders gesund und bekömmlich. Von Alters her ist der gute Einfluß von Dinkel auf das allgemeine Wohlbefinden bekannt. Darüber hinaus schmeckt Dinkel mit seinem kräftigen, fast nussigen Geschmack, auch deutlich markanter als ein handelsübliches Weizenmehl, wie wir es heute täglich im Supermarkt finden können.

Für eine gute und leckere Brotbackmischung, die sich auch vom alltäglich Bekannten abheben soll, ist Dinkel also geradezu ideal. Meine Idee ist es ja gerade, daß es nicht viel braucht und gar nicht kompliziert sein muß, um ein leckeres Brot selber zu machen. Beispielsweise enthält die Backmischung für Dinkel Vollkornbrot einfach nur Dinkel (Mehl und Schrot), einen Löffel Salz und ein wenig Trockenhefe. Es braucht also keine seltenen teuren Zutaten aus allen Winkeln der Welt, um ein leckeres Brot zu machen. Ein ordentlich angebauter Dinkel reicht völlig.

 

 

Du lebst inmitten des Münsterlandes in Ennigerloh. Was bedeutet Dir die Region und wie beeinflusst sie Dich und Deine Produkte? 

Das Münsterland ist meine Heimat und hat mich sicherlich auch geprägt. Die Landwirtschaft ist im Münsterland immer besonders wichtig gewesen und bleibt es bis heute. Westfälischer Schinken und Wurst, Münsterländer Korn, gutes, herzhaftes Essen zeichnet traditionell die Region aus. Uns Westfalen sagt man ja nach, starrsinnig und dickschädelig zu sein, was ich aber gern positiv einfach als „beharrlich“ bezeichnen möchte.

Mit Beharrlichkeit schafft man es dann auch, mit einer kleinen Landwirtschaft gegen den allgemeinen Trend zu schwimmen und ein ehrliches, herzhaft leckeres Produkt und ein gutes Stück Münsterland herzustellen.

 

Du setzt Dich dafür ein, dass auch Kinder und Jugendliche sich mit der Landwirtschaft auseinander setzen. Wieso ist dieses Wissen Deiner Meinung nach so wichtig? 

Das Wissen um die Herkunft unserer Lebensmittel ist fast komplett verloren gegangen. Früher hatte fast jeder zumindest einen Opa auf dem Land, wo man noch sehen konnte, wie Lebensmittel entstehen. Heut kennen viele Kinder Lebensmittel nur noch abgepackt aus dem Supermarkt und weil sie dort ja immer zu haben und auch billig sind, können sie sich gar nicht mehr vorstellen, was alles nötig ist, um ein Brot, Kartoffeln oder andere Produkte in die Regale zu bringen.

Wenn Kinder und Jugendliche bei mir mithelfen, dann erfahren sie, daß der Anbau von Lebensmitteln harte Arbeit ist, oft sogar schmutzig und nicht immer läuft alles nach Plan. Aber wenn man danach zusammen sitzt und die eben selbst geernteten Kartoffeln zusammen mit einem selbst gebackenen Brot essen kann, dann weiß man wieder, wofür man das eigentlich macht.
Der Respekt vor den Lebensmitteln ist für mich besonders wichtig und den versuche ich an Kinder und Jugendliche weiterzugeben.

 

Wo siehst Du im landwirtschaftlichen Bereich Chancen für positive Veränderung in den nächsten Jahren? 

Ich bin ganz sicher, daß in Zukunft in der Landwirtschaft sehr viel ökologischer gewirtschaftet werden wird. Diese Veränderungen sind durch die Gesetzgebung und auch durch viele Landwirte bereits angestoßen. Das sind für mich durchaus positive Effekte.

Ich glaube aber auch, daß auf Grund des hohen Kostendrucks viele kleine Landwirte aufgeben werden müssen. Dadurch werden große, industriell geführte Betriebe noch größer.
Als positive Veränderung wünsche ich mir, daß der Preis der Lebensmittel zukünftig wieder von Qualität, Angebot und Nachfrage bestimmt wird und nicht von der Marktmacht weniger großer Lebensmittelkonzerne oder von günstigen Importen aus weit entfernten Ländern.

Ich bin sicher, die Landwirte können und wollen Lebensmittel von hoher Qualität erzeugen, aber am Ende muß man davon auch leben können.

 

Danke Burkhard für diesen tollen Einblick und weiterhin viel Erfolg.